Montag, 17. Mai 2004

"Wenn du wieder gesund bist...": Firmen kündigen ihre Mitarbeiter im Krankenstand

  • Neue Firmenpolitik wird von Arbeiterkammer kritisiert
  • WKÖ-Reaktion: Mitterlehner spricht von Einzelfällen

Immer mehr Firmen gehen dazu über, Beschäftigte bei schlechterer Auftragslage und wenn sie krank sind, vorübergehend zu kündigen und quasi beim Arbeitsmarktservice "zwischenzuparken", kritisiert die österreichische Arbeiterkammer.

Das trifft bereits ein Drittel aller Arbeitslosen in Österreich. Allein im ersten Quartal waren es 85.000, die Firmen haben sich dadurch 100 Mio Euro an Lohnkosten erspart. Arbeitsmarktsexperte Mitter im ORF-Radio: "Die Leute würden etwa, wenn sie krank sind, mit der Zusage entlassen: "Wenn du wieder gesund bist, stellen wir dich wieder ein."

Mitterlehner weist Vorwürfe zurück
Vorwürfe, dass Betriebe Missbrauch mit Kündigungen im Krankheitsfall betreiben, weist der stellvertretende Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Reinhold Mitterlehner, zurück. Dass Unternehmen Dienstverhältnisse im Krankheitsfall auflösen, um Entgeltfortzahlung während der Zeit des Krankenstandes zu sparen, kommt nur in Einzelfällen vor.

Denn die Betriebe sparen sich gar nichts, da sie gesetzlich zur Entgeltfortzahlung verpflichtet sind, wenn eine Kündigung während des Krankenstands erfolgt, so Mitterlehner am Montag. Dass Wiedereinstellungszusagen steigen, hänge mit der Saisonbeschäftigung etwa im Tourismus, mit dem Ende der Wintersaison und anderen Saisonbranchen zusammen.

In diese Bereiche entfallen rund drei Viertel aller Fälle von Wiedereinstellungszusagen. Aber auch die lahmende Konjunktur spiele eine gewisse Rolle. Betriebe, die Lücken bei den Aufträgen haben, müssen - um nicht das ganze Unternehmen und alle Arbeitsplätze zu gefährden, jede Möglichkeit zur Kosteneinsparung nützen. (apa/red)

17.5.2004 09:26