Sonntag, 23. Mai 2004

General Sanchez muss gehen: Im Sommer Ablöse des US-Oberbefehlshabers im Irak!

  • Powell streitet Zusammenhang mit Folter-Skandal ab
  • Vier-Sterne-General Casey wahrscheinlicher Nachfolger

Nach dem Vorwurf einer persönlichen Verwicklung in den Folterskandal wird der Kommandant der US-Truppen im Irak, Generalleutnant Ricardo Sanchez, abgelöst. Das Weiße Haus stellte die Entscheidung am Dienstag jedoch als routinemäßigen Wechsel nach 13 Monaten dar. Außenminister Colin Powell sagte im Fernsehprogramm von CBS, Sanchez habe hervorragende Arbeit geleistet. Nachfolger von Sanchez wird aller Vorraussicht nach der Vier-Sterne-General George Casey.

hochrangigen US-Militärkreisen verlautete am Dienstag in Washington, die Nominierung Caseys sei fast sicher. Casey ist bisher Vizestabschef des Heeres. Er war bereits zuvor in den US-Medien als möglicher Nachfolger von Sanchez genannt worden.

Kommandantin der Militärpolizei suspendiert
Suspendiert wurde jetzt die zuständige Kommandantin der Militärpolizei, Janis Karpinski, die den Rang eines Brigadegenerals hat. In ihrer Funktion war sie auch für das Gefängnis Abu Ghraib westlich von Bagdad verantwortlich, in dem es zu zahlreichen physischen und psychischen Misshandlungen kam.

Sie sei von ihren Pflichten "auf unbestimmte Zeit" entbunden und werde zu einer anderen Einheit versetzt, während weitere Untersuchungen im Zusammenhang mit dem Misshandlungsskandal liefen, hieß es aus dem Pentagon. US-Medien zitierten Heeresoffiziere mit den Worten, die Suspendierung solle "nicht als Strafe verstanden werden".

Zukunft Sanchez' noch offen
Ähnlich äußerten sich auch Pentagonbeamte im Fall Sanchez, der in den vergangenen Wochen in schwereres Fahrwasser geraten ist. So lasteten ihm Kongressmitglieder an, Senatoren und Abgeordnete zu spät über die Misshandlungen informiert zu haben. Auch angesichts der anhaltenden Gewalt im Irak haben Kritiker die Frage nach der Qualifikation des Drei-Sterne-Generals aufgeworfen. Medienberichten zufolge ist das künftige Einsatzgebiet von Sanchez noch offen.

Karpinski: "Muss als Sündenbock herhalten"
Karpinski wurde bereits unmittelbar nach Bekanntwerden des Skandals Ende April abgemahnt und in die USA geschickt. Nun wurde ihr auch das Kommando über die 800. Brigade der Militärpolizei entzogen, wenn auch zunächst nur vorläufig. Karpinski wird vorgeworfen, den Gefängnisalltag nicht ausreichend überwacht und die ihr unterstellten Soldaten nicht diszipliniert zu haben.

Nach der Nachricht von ihrer Suspendierung kritisierte sie erneut, dass sie als Sündenbock in dem Skandal herhalten solle. Ihre Vorgesetzten hätten wiederholte Anfragen nach einer Verstärkung der unterbesetzten Militärpolizei in Abu Ghraib abgelehnt.

(apa/red)

23.5.2004 15:35