Dacheinsturz auf Pariser De Gaulle-Flughafen: Wurde beim Bau gepfuscht?
- Ganzer Terminal könnte abgerissen werden!
- Terminaleinsturz forderte vier Tote und drei Verletzte
Nach dem schweren Unglück vom 23. Mai 2004 mit vier Toten muss das modernste Pariser Flughafenterminal womöglich abgerissen werden, was die französische Hauptstadt im Wettbewerb mit Frankfurt am Main und London zurückwerfen würde. "Wenn die Teilringe, aus denen das Terminal zusammengesetzt ist, irreparabel sind, werden wir selbstverständlich alles niederreißen", sagte der Chef der Betreibergesellschaft ADP, Pierre Graff.
Das Terminal 2E des Flughafen Roissy-Charles de Gaulle war für 750 Millionen Euro als Vorzeige-Bauwerk errichtet und erst im Juni 2003 eröffnet worden.
Die Zahl der Getöteten wurde am Tag nach dem Einsturz eines 30 Meter langen Teilstücks der zylinderförmigen Durchgangshalle von fünf auf vier korrigiert. Eines der Opfer war nach Angaben der Rettungskräfte von den Trümmern in zwei geteilt worden, weshalb die Spürhunde doppelt anschlugen. Drei Menschen waren leicht verletzt worden.
Bei der Ursachenforschung kamen die Behörden zunächst nicht spürbar voran. "Wir haben keine Fährte", sagte Graff. Der zuständige Ermittlungsrichter kündigte nach einem ersten Ortstermin die Einsetzung eines Expertenteams an. Der Architekt des Terminals, Paul Andreu, brach einen Aufenthalt in Peking kurzfristig ab und sagte, er sei von dem Unfall "erschüttert". Zugleich verwies Andreu, der in der chinesischen Hauptstadt derzeit ein großes Nationaltheater errichtet, darauf, dass für Terminal 2E gängige Baumaterialien wie Beton, Stahl und Glas verwendet wurden. Die Konstruktion des Terminals sei "kühn", sagte Andreu der Nachrichtenagentur AFP. Er verfüge jedoch über keinen Hinweis, der eine Vermutung über die Ursache des Unglücks zulasse.
Gewerkschaftsvertreter machten den großen Zeitdruck beim Bau des Gebäudes mitverantwortlich. Außerdem wiesen sie darauf hin, dass die Betreibergesellschaft Aeroports de Paris (ADP) rund 400 Sub-Firmen eingeschaltet habe.
Das gesamte Terminal 2E, auf dem zuletzt rund sechs Millionen von 48,3 Millionen Fluggästen des internationalen Airports CDG abgefertigt wurden, bleibt bis auf weiteres gesperrt. Das bedeutet einen harten Schlag für die Betreibergesellschaft und für die Hauptnutzerin, die heimische Fluglinie Air France. Bei der Eröffnung hatte Air France das neue Terminal als "wichtigen Trumpf" bei der Entwicklung des Flughafens zu einer der führenden internationalen Drehscheiben des Flugverkehrs angepriesen. Vor allem sollte es für Transit-Reisende ein möglichst schnelles Umsteigen ermöglichen.
Darüber hinaus war Terminal 2E für den neuen Riesen-Airbus A380 ausgelegt. Der A380, der mit 555 Sitzplätzen in der Standardversion den 747-Jumbojet von Boeing übertrumpfen wird, ist so hoch, dass die herkömmlichen Gangways nicht ausreichen, um den Zugang zu den Airport-Hallen zu ermöglichen. Am Terminal 2E waren zwei solcher Gangways bereits installiert, fünf weitere sollten bis zur Ankunft der ersten Flüge im Jahr 2006 hinzukommen. (apa/red)
