Samstag, 22. Mai 2004

Während Mussa-Rede: Gaddafi verließ Gipfeltreffen der Arabischen Liga!

  • Arabische Liga verurteilt Misshandlungen im Irak
  • Schweigeminute für palästinensische Opfer von Rafah

Der libysche Revolutionsführer Gaddafi hat am Samstag bei der Eröffnungssitzung des Gipfels der Arabischen Liga für Aufregung gesorgt. Wie Augenzeugen berichteten, verließ Gaddafi während der Rede des Liga-Generalsekretärs Amre Mussa das Konferenzgebäude. Grund: Die Liga nimmt seine Vorschläge zur Nahost-Politik nicht ernst.

Beim vorangegangenen Gipfel der Liga im ägyptischen Sharm el Scheikh hatte Gaddafi für peinliche Szenen gesorgt, als er Saudiarabien beleidigte, was zu einer Schimpfkanonade von Kronprinz Abdullah führte. Die Gipfelteilnehmer in Tunis ignorierten den spektakulären Auftritt Gaddafis und setzten ihre Sitzung fort.

Diesmal blieb Gaddafi nur wenige Minuten um gegen die ablehnende Haltung der Liga zu seinen Nahost-Vorschlägen zu protestieren. Seiner Ansicht nach, sei ein demokratischer, gemeinsamer palästinensisch-israelischer Staat die einzig richtige Lösung.

Schweigeminute für Opfer von Rafah
Der tunesische Staatspräsident Zine al Abidine Ben Ali hat Samstag das jährliche Gipfeltreffen der 21 Länder der Arabischen Liga eröffnet. In einem Resolutionsentwurf wurde die Entrüstung aller Staaten über die Misshandlung irakischer Gefangener in US- Gefängnissen betont. Er hob aber auch die Notwendigkeit eines arabisch-israelischen Friedens und von Reformen in den arabischen Staaten hervor.

Ben Ali rief die Staats- und Regierungschefs zu einer Schweigeminute für die Opfer des israelischen Angriffs auf das palästinensische Flüchtlingslager Rafah im Gazastreifen auf. Die Gewalt in den palästinensischen Gebieten und im Irak gehörten zu den Hauptthemen des Gipfeltreffens. Daneben sollte auch über einen US- Vorschlag zu politischen Reformen im Nahen Osten und eine Reform der Arabischen Liga beraten werden.

Der Gipfel war ursprünglich schon für März geplant, aber wegen innerarabischer Streitigkeiten kurzfristig verschoben worden. Vier Staatschefs blieben aus politischen Gründen der Versammlung fern. Der palästinensische Präsident Arafat kam nicht, aus Furcht, die Israelis würden ihn nicht wieder einreisen lassen. Alle Staaten sind aber diese Mal durch vollständige Delegationen vertreten. (apa)

22.5.2004 14:20