Freitag, 21. Mai 2004

US-Günstling Chalabi unter Betrugsverdacht: Razzia im Haus des irakischen Politikers

  • Persönliche Unterlagen & Computer beschlagnahmt
  • Partei INC: Bei Währungsumstellung Geld unterschlagen

Einst war er der Liebling des Pentagon: Der irakische Politiker Chalabi, der während Saddams Herrschaft im Exil war, war lange Verbündeter der US-Regierung. Doch mittlerweile ist das Mitglied des irakischen Regierungsrates in der Gunst der Amerikaner tief gesunken. Jetzt haben US-Soldaten sogar am Donnerstag sein Haus in Bagdad auf den Kopf gestellt. Nach Informationen des amerikanischen Nachrichtenmagazins "Newsweek" steht der US-Günstling in Zusammenhang mit Korruption und Betrug im großen Stil. Seine Partei INC soll bei Währungsumstellung viel Geld unterschlagen haben.

Amerikanische Soldaten haben am Donnerstag das Haus und Büros des irakischen Regierungsratsmitglieds Ahmed Chalabi in Bagdad durchsucht. Bei der Aktion am Hauptsitz von Chalabis Partei Irakischer Nationalkongres (INC) seien Computer und Dokumente sichergestellt worden, sagte der Sicherheitschef der Anlage am Donnerstag. Beschlagnahmt worden seien persönliche Unterlagen und Gegenstände aus Chalabis Besitz. Festgenommen wurde niemand.

Razzia wegen Korruptionsverdacht
Die Hausdurchsuchung steht im Zusammenhang mit umfangreichen Ermittlungen wegen des Verdachts auf Korruption und Unterschlagung in großem Stil. Chalabis bislang von den USA unterstützter Irakischer Nationalkongress (INC) werde von der irkischen Justiz verdächtigt, im Zuge der Umstellung auf eine neue Währung große Summen unterschlagen zu haben, zitierte "Newsweek" auf seiner Internetseite einen Vertreter der US-geführten Zivilverwaltung im Irak.

Alte Geldscheine wurden nicht vernichtet
Im Zentrum des Verdachts stehe eine Firma des INC: Sie sei mit der Vernichtung der alten Geldscheine beauftragt worden, soll diese zum Teil aber wieder in Umlauf gebracht und erneut in neue Geldscheine umgetauscht haben. Laut "Newsweek" sagte der US-Vertreter: "Viel Geld kam wieder in den Kreislauf, anstatt verbrannt zu werden. Manche Scheine hatten noch Brandspuren." Die Behörden hätten "sehr viel weniger altes Geld eingenommen, als sie an neuem Geld' herausgegeben hätten". Für die Währungsumstellung hatte eine Tauschrate von eins zu eins gegolten.

US-Unterstützung entzogen
Der Schiit Chalabi war zur Zeit von Saddam Hussein vom US-Verteidigungsministerium unterstützt worden, zuletzt aber in Ungnade gefallen, weil seine Partei der US-Regierung vor dem Irak-Krieg falsche Informationen zugespielt haben soll. Am Mittwoch hatte Vizeverteidigungsminister Paul Wolfowitz mitgeteilt, dass die US-Zahlungen an den INC eingestellt wurden und nun andere Quellen für Geheimdienstinformationen gesucht würden. Das Pentagon hatte bisher monatlich rund 340.000 Dollar (280.000 Euro) an die Partei überwiesen. (apa/red)

21.5.2004 10:30