Nach Absage von Siegerin Sonia Gandhi: Nicht-Hindu Singh wird Indien-Premier!
- Präsident Abdul Kalam beauftragt 71-jährigen Wirtschaftsexperten mit der Regierungsbildung
·Sonia Gandhi wird nicht Indien-Premier!
"Ich lehne in Demut ab" Kinder befürchten Attentat!
·Sonia Gandhi im Kurzporträt!
Oppositionsführerin sorgt für Machtwechsel in Indien
Nach dem Rückzug von Sonia Gandhi ist der frühere indische Finanzminister Manmohan Singh zum neuen Ministerpräsidenten designiert worden. Präsident Avul Pakir Jainulabdeen Abdul Kalam habe ihn am Mittwochabend mit der Regierungsbildung beauftragt, sagte Singh nach einem Treffen im Präsidentenpalast in Neu Delhi im Beisein von Gandhi - und hielt dabei die Ernennungsurkunden in die Kameras der anwesenden Fernsehstationen. Ein Termin für die Vereidigung sei noch nicht festgelegt worden.
Gandhi sagte, auf ihr habe großer Druck gelastet, das Regierungsamt doch noch zu übernehmen. "Jetzt bin ich glücklich und entspannt." Kongresspolitikern war es am Mittwoch nicht gelungen, die gebürtige Italienierin doch noch zur Übernahme des Regierungsamts zu bewegen. Die Witwe des früheren indischen Regierungschefs Rajiv Gandhi, der 1991 ermordet worden war, war wegen ihrer ausländischen Herkunft von den bisher regierenden Hindu-Nationalisten massiv angegriffen worden.
Der 71-jährige Singh gehört der religiösen Minderheit der Sikhs an. Er würde der erste indische Ministerpräsident, der kein Hindu ist. Singh gilt als Architekt der von Indien 1991 eingeleiteten Wirtschaftsreformen. Singh ist auch der Wunschkandidat Gandhis.
Singh sagte nach dem Treffen mit dem Staatspräsidenten, dieser habe der Bildung einer von der Kongress-Partei geführten Regierung zugestimmt. Bei einem Treffen hinter verschlossenen Türen hatten sich zuvor die Mitglieder der Kongress-Partei nach Angaben von Parteisprecher Anand Sharma einstimmig für Singh als Chef einer neuen Koalitionsregierung unter Beteiligung linker und regionaler Parteien ausgesprochen. Die Nachricht verhalf den indischen Aktienmärkten zu weiteren Kursgewinnen.
Singh versicherte, seine Regierung werde die Wirtschaftsreformen fortsetzen. Er bekräftigte zugleich die Bedeutung der Kapitalmärkte und rief die Investoren dazu auf, nach den Kursrutschen in dieser Woche die Ruhe zu bewahren.
Der schulmeisterlich wirkende Singh genießt wegen seiner Integrität und seines Verstandes hohen Respekt, muss seine Fähigkeiten als Regierungschef aber noch beweisen. "Der Aufstieg des Vaters des indischen Reformprogramms zum Regierungschef wäre aus Sicht der Märkte sehr positiv," sagte P. K. Basu vom Investmenthaus Robust Economic Analysis. "Ich wäre aber vorsichtig mit zu viel Euphorie, weil Dr. Singh als Wirtschaftsreformer zwar hoch angesehen ist, aber seine Fähigkeiten als politischer Manager noch nicht getestet wurden," fügte er hinzu.
Die indischen Aktienmärkte setzten am Mittwoch ihren Aufschwung fort. Bereits am Vortag hatte die Aussicht auf eine Übernahme des Regierungsamtes durch den Wirtschaftsexperten die indischen Börsen beflügelt, nachdem zuvor die Furcht der Anleger vor einem zu großen Einfluss der Kommunisten auf die Regierung einen Kursrutsch ausgelöst hatte. (apa/red)
