Tony Blair in der Türkei: "Kein rascher Abzug unserer Truppen aus dem Irak"
- Höchste Sicherheitsstufe nach Anschlägen in Ankara
Der britische Premierminister Tony Blair hat einen raschen Abzug britischer Truppen aus dem Irak ausgeschlossen. Die Truppen blieben in dem Land, bis dort die Stabilität wieder hergestellt sei, sagte Blair am Montag in Ankara, wo er sich zu einem eintägigen Besuch aufhielt. Die erste Visite eines britischen Regierungschefs in der Türkei seit mehr als zehn Jahren fand unter starken Sicherheitsvorkehrungen statt, nachdem in der Nacht vor vier Filialen der britischen HSBC-Bank in Ankara und Istanbul Bomben explodiert waren.
"Wir werden keinen so genannten raschen Abzug haben", sagte Blair auf einer Pressekonferenz nach Gesprächen mit dem türkischen Ministerpräsidenten Tayyip Erdogan. "Wir werden weitermachen, bis die Aufgabe erfüllt ist."
Zuvor hatte eine Sprecherin Blairs angekündigt, die Ausbildung der irakischen Sicherheitskräfte werde beschleunigt, damit die britischen Truppen möglichst rasch aus dem Irak abgezogen werden könnten.
Blair für EU-Beitritt der Türkei
Im Vorfeld des Besuches bekräftigte Blair seine Unterstützung für einen EU-Beitritt des Landes. In einem am Montag veröffentlichten Zeitungsinterview wies Blair aber zugleich auf die Notwendigkeit weiterer demokratischer Reformen hin. "Ich bin fest davon überzeugt, dass eine Mitgliedschaft der Türkei (in der EU) gut für uns alle wäre", sagte Blair der türkischen Zeitung "Hürriyet". "Ich wünsche mir von ganzem Herzen eine positive Entscheidung für die Türkei im Dezember." Dann will die Europäische Union über mögliche Beitrittsgespräche entscheiden. Zugleich forderte Blair die Türkei auf, die so genannten Kopenhagener Kriterien zu erfüllen, die Voraussetzung für die Aufnahme von Verhandlungen sind. Unter anderem geht es dabei um die Wahrung der Menschenrechte sowie den Schutz von Minderheiten.
Die Polizei verschärfte vor Blairs Besuch die Sicherheitsvorkehrungen. Dennoch detonierten am späten Sonntagabend kleine Sprengsätze vor zwei Zweigstellen der britischen HSBC-Bank in Istanbul. Fensterscheiben gingen zu Bruch. Eine dritte Bombe explodierte unter dem geparkten Auto eines Bankangestellten in Ankara, wobei das Fahrzeug und das Bankgebäude selbst beschädigt wurden. Vor einer weiteren HSBC-Filiale in Ankara detonierte ein vierter Sprengsatz, auch hier zerbarsten Fensterscheiben. Zunächst bekannte sich niemand zu den Anschlägen. Die Niederlassung der HSBC-Bank in der Türkei war im November 2003 eines der Ziele von vier Selbstmordanschlägen islamistischer Terroristen in Istanbul, bei denen mehr als 60 Menschen getötet worden waren.
Gegen den Ende Juni vorgesehenen NATO-Gipfel sowie das Vorgehen Washingtons und Londons im Irak gibt es in der Türkei auch Proteste aus linksgerichteten Kreisen. Vor dem britischen Generalkonsulat in Istanbul protestierte am Montag eine Gruppe von Demonstranten mit dem Spruchband: "Den für Folter und Mord verantwortlichen Blair wollen wir in unserem Land nicht haben."
(apa/red)
