Freitag, 21. Mai 2004

Bluttat in Wien-Simmering: Opfer verstorben, vier Personen in Haft!

  • Motiv dürfte "Ehrenbeleidigung" gewesen sein
  • Opfer gab mit letzter Kraft Hinweis auf seine Killer

Der Mord in Wien-Simmering ist geklärt: Laut Polizei dürften vier Kurden einen 40-jährigen türkischen Lokalbesitzer am Mittwoch mit mehreren Schüssen und Messerstichen derart verletzt haben, dass der Mann Freitag verstarb. Der entscheidende Hinweis kam vom Opfer, das auf Grund seiner Körperstatur vor allem unter dem Namen "der Bär" bekannt gewesen war, selbst. Mit letzter Kraft flüsterte der Schwerverletzte zu den Einsatzkräften: "Baba und sein Bruder", so der Chef der Kriminaldirektion 1, Dr. Ernst Geiger, bei einer Pressekonferenz in Wien.

"Baba", was übersetzt so viel wie "Pate" bedeutet, war den Ermittlern kein Unbekannter. Recherchen unter Kurden ergaben bald, dass tatsächlich der 34-jährige Fahrettin K. mit seinen zwei Brüdern und ein weiterer Bekannter der Familie für die Tat verantwortlich sein dürfte. Die Polizisten fuhren daraufhin zu der Wohnung von einem der Verdächtigen, die sie allerdings verschlossen vorfanden. Die Beamten verschafften sich Zutritt, konnten aber niemanden antreffen.

Bei den weiteren Ermittlungen halfen die Verdächtigen unfreiwillig selbst mit: Zuerst verständigte der gesuchte Wohnungsinhaber die Polizei, nachdem er bemerkt hatte, dass sich jemand an der Tür zu schaffen gemacht hatte, um einen Einbruch anzuzeigen. "Er dürfte wohl befürchtet haben, dass sich jemand für den Tod des Opfers rächt", meinte Geiger. Der mutmaßliche Mittäter musste jedenfalls nur mehr abgeholt werden.

"Baba" und der Bekannte der Brüder versuchten indes in einem türkischen Lokal, Schutzgeld zu erpressen, um ihre Flucht finanzieren zu können. "Der Wirt sagte 'Jaja' und rief die Polizei", so Geiger. Auch für diese Verdächtigen klickten die Handschellen. Der mutmaßliche Schütze, der 32-jährige Selahattin K., der erst im Februar selbst Opfer eines Bauchschusses gewesen ist, wurde schließlich in der Nacht auf heute in einem Lokal im Burgenland festgenommen.

Der Hintergrund für die Tat dürfte im sehr streng verstandenen Ehrbegriff der Männer liegen, die beinahe ausnahmslos mehrfach vorbestraft sind. Laut Geiger dürfte "der Bär" mit der Gruppe ein zwielichtiges Geschäft abgewickelt haben. Bei den Gesprächen kam es immer wieder zu lautstarken Auseinandersetzungen und Beschimpfungen, die sich derart hochgeschaukelt haben dürften, dass der Streit in einem Gewaltausbruch endete. Die Verdächtigen sind geständig. (apa)

21.5.2004 09:40