Freitag, 21. Mai 2004

Patienten ersparen sich einen Amtsweg: Ab 1.1.2005 muss das Rezept zum Chefarzt!

  • Behandelnder Arzt soll o.k. per Fax oder Mail einholen
  • Gesundheitsministerium muss Richtlinie genehmigen

Den Patienten soll ab 1. Jänner 2005 der Gang zur Krankenkasse mit chefarztpflichtigen Rezepten erspart werden. Der Hauptverband der Sozialversicherungsträger hat eine neue Richtlinie ausgearbeitet, die jetzt noch vom Gesundheitsministerium genehmigt werden muss. Eine Einigung mit der Ärztekammer konnte jedoch nicht erreicht werden.

Die Neuregelung sieht vor, dass ab 1. Jänner 2005 nur mehr das Rezept und nicht der Patient zum Chefarzt muss. Nach den Grundsätzen des Hauptverbandes ist die Bewilligung durch den behandelnden Arzt entweder auf elektronischem Weg oder per Fax einzuholen. Die Erledigung durch den Chefarzt wird während der Ordinationszeiten sichergestellt und soll binnen 30 Minuten erfolgen. "Das entsprechende Umsetzungsprojekt ist auf Schiene gestellt", heißt es.

Josef Probst, zuständiger Geschäftsführer im Hauptverband: "Eine Vereinbarung mit der Ärztekammer über die Vereinfachung der chefärztlichen Bewilligung war nicht erzielbar. Es hat lange, zähe Verhandlungen gegeben; auch der gesetzlich vorgegebene Termin für die Neuregelung der Bewilligung ist von uns wegen der Aussicht auf einen Abschluss hinausgeschoben worden".

Die Ärztekammer habe kurz vor Vertragsabschluss unerwartete und überzogene Forderungen gestellt; unter anderem eine Honorarforderung von knapp über 11 Euro pro Bewilligungsvorgang. Probst: "Damit hätte die Sozialversicherung zusätzliche Ausgaben von 56 Mio. Euro jährlich verkraften müssen". Zusätzlich habe die Ärztekammer verlangt, dass auch der Postweg für die Bewilligung in Frage kommt. Probst: " Wir versuchen, kundenorientiert und schnell zu agieren, die Ärztekammer will Patienten länger als bisher auf das Medikament warten lassen".

Von den derzeit insgesamt 4.720 lieferbaren Arzneispezialitäten werden 3.013 bewilligungsfrei abgegeben. Die 1.707 bewilligungspflichtigen Arzneimittel machen zwar nur fünf Prozent aller ärztlichen Verordnungen aus; mit fast 20 Prozent Kostenanteil sind sie aber eine wesentliche Ursache für die extrem hohen Ausgabensteigerungen. (apa)

21.5.2004 09:00