Donnerstag, 20. Mai 2004

"Wallfahrt der Völker": Schweigende Kerzen brennen bei Festgottesdienst

  • Erinnerung an Solidaritätswallfahrt vor 50 Jahren

Donnerstag erfolgte der Auftakt zur "Wallfahrt der Völker" in Mariazell. Bei einem Festgottesdienst der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) brannten - wie vor 50 Jahren - wieder die "schweigenden Kerzen". Den Gottesdienst in der Basilika leitete "Sozial-Bischof" Maximilian Aichern.

Die Geste geht auf eine Wallfahrt der Katholischen Arbeiterjugend vor 50 Jahren zurück: Am 1. Mai 1954 versammelten sich rund 7.500 Jugendliche aus ganz Österreich in Mariazell, um der verfolgten Christen jenseits des damals neuen Eisernen Vorhangs zu gedenken. In einer nächtlichen Feierstunde versprachen sie den Glaubensgeschwistern im Osten ihre Solidarität und ihr Gebet. Als Zeichen dafür stellten die Jugendlichen neun Kerzen auf - jede ein Symbol für ein österreichisches Bundesland und zugleich für ein Land des damaligen Ostblocks. Nach dieser Nacht wurden die Kerzen gelöscht. Sie sollten erst nach der Wiedererringung der Freiheit entzündet werden, was schließlich 1990 geschah. Am Beginn des Gottesdienstes entzündeten am Donnerstag Bischof Aichern und der Superior von Mariazell, P. Karl Schauer, acht der neun Kerzen. Nur eine Kerze bleibt weiterhin "stumm": jene für China.

Bischof Aichern unterstrich, dass die KAB auch heute Gewissen der Gesellschaft zu sein habe. Es gelte, mit den Christen der Nachbarländer gemeinsam neue Ideen zu entwickeln, damit Europa nicht nur ein "Wirtschaftsraum", sondern vielmehr auch ein "Lebensraum" sei. Konkret nannte der "Sozial-Bischof" den Einsatz gegen die Arbeitslosigkeit und für den arbeitsfreien Sonntag. Aichern: "Der arbeitsfreie Sonntag ist die Garantie dafür, dass der Mensch nicht zur Maschine degradiert wird".

(apa/red)

20.5.2004 16:27