Gesund & fit statt dauernd krank: Sport im Büro könnte Staat bis zu 3,6 Mrd. sparen!
- Bonus-Malus-System soll zum Mitturnen animieren
- Sport-Staatssekretär will Gütesiegel für Fit-Programme
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Besser gesund und fit statt dauernd krank: Der gezielte Einsatz von Sport- oder Fitness im Büro könnten dem Staat bis zu 3,6 Mrd. Euro jährlich sparen! Sport-Staatssekretär Schweitzer denkt deshalb an fixe Turnkurse - ein Bonus-Malus-System soll zum Mitturnen animieren, ein "Gütesiegel" für gleichbleibende Qualität der angebotenen Fit-Programme sorgen.
Dass sich Sport im Büro bezahlt macht, belegt die neueste Studie zum Thema "Ökonomischer Nutzen Betrieblicher Gesundheitsförderung", präsentiert von Univ.-Prof.Dr.Felderer und Sport-Staatssekretär Schweitzer.
Die Akzeptanz der Bewegungsprogramme sowohl bei Arbeitgebern als auch Arbeitnehmern soll durch Anreizsysteme - Bonus-Malus-Systeme - gefördert werden. Für Arbeitgeber sollte es sich bei den Arbeitgeberbeiträgen zur Krankenversicherung auswirken. Auf Arbeitnehmerseite kann sich Schweitzer vorstellen, dass die Akzeptanz eines betrieblichen Gesundheitsvorsorgeprogrammes Bedingung für die Aufnahme in den Betrieb sein und sich die Teilnahme auf die Höhe der Krankenversicherungsbeiträge auswirken könnte. Die Programme sollten in die Arbeitszeit "eingebettet" sein, zum Beispiel in einer verlängerten Mittagspause. Die Umsetzung sollte so rasch als möglich erfolgen und in den geplanten Gesundheitspass eingebaut werden, forderte Schweitzer.
Die effektivste Wirkung der betrieblichen Gesundheitsprogramme würde laut diversen Studien von Bewegungsprogrammen in Kombination mit Ernährungsprogrammen ausgehen, sagte Felderer. Bei der Abwesenheit würde sich eine Reduktion - je nach Studie - von 12 bis 36 Prozent ergeben. Entgeltfortzahlungen von bis zu 241 Mio. Euro könnten vermieden werden. Darüber hinaus würden sich weniger Arztbesuche, weniger Krankenhauseinweisungen und kürzere Krankenstände ergeben.
Bei den Krankenstandskosten würde es zu Einsparungen von bis zu 338 Euro oder 36 Prozent je Beschäftigen kommen, die Krankenstandstage würden um bis zu 12 Prozent sinken. Insgesamt ergebe sich hier eine maximale Kostenreduktion von rund einer Mrd. Euro. Den "schwersten Brocken" stellen die durch Prävention vermiedenen Einkommensverluste dar, die mit 1,4 Mrd. Euro beziffert werden. Die Zahl der Neuzugänge zur Erwerbsunfähigkeitspension würde um 16 Prozent, die Zahl der vorzeitigen Todesfälle im erwerbsfähigen Alter um 4,6 Prozent sinken. Weiters könnte je unselbstständig Beschäftigten bis zu 271 Euro von derzeit 797 Euro an Behandlungskosten eingespart werden, in Summe also 854 Mio. Euro.
Laut Felderer gibt es einen Wandel im Verständnis von Gesundheit - weg von der traditionellen, rein medizinisch orientierten Gesundheitsvorsorge hin zu einer präventionsorientierten Ausrichtung. Für Schweitzer, der dem bestehenden Krankheitssystem mit den Schlagworten Arztbesuch, Diagnose, Rezept, Apotheke bzw. Diagnose, Operation, Kuraufenthalt, Frühpension sehr kritisch gegenüber steht, eine erfreuliche Entwicklung.
"Das System wird wegen Unfinanzierbarkeit zusammenbrechen", so der Staatssekretär in der Hoffnung, dass es hier sehr rasch ein Umdenken geben wird. Herz-Kreislauferkrankungen oder Rückenprobleme etwa werden derzeit sehr oft mit Arzneien oder Operationen kuriert. Eine für Schweitzer unverständliche Tatsache und dass obwohl es doch die billigere Variante Bewegung gäbe.
"Wir sollten denen, die an der Krankheit verdienen nicht das Feld überlassen", so Schweitzer, für den die Lebensqualität und das sinnvolle Bewegen der Österreicherinnen und Österreicher oberstes Ziel ist. Gemeinsam mit dem organisierten Sport, sprich den Dachverbänden, will er als Dienstleister am österreichischen Gesundheitssystem alle möglichen Einsparungspotentiale ausschöpfen. Mit einem gezielten Einsatz von Bewegungsprogrammen in österreichischen Betrieben wären das bereits bis zu 3,6 Milliarden Euro jährlich.
Um die Einheitlichkeit und Qualität der Bewegungsangebote zu gewährleisten will der Staatssekretär gemeinsam mit den Dachverbänden ein Gütesiegel erarbeiten. "Nur jene Programme mit Gütesiegel werden österreichweit in der Betrieblichen Gesundheitsförderung für Klein- und Mittelbetriebe angeboten werden. Somit ist eine Qualitätsnorm gesichert", meint Schweitzer, der in diesem Zusammenhang auch über spezielle Anreizsysteme diskutieren will. In solchen Betrieben müssten demnach die Arbeitgeberbeiträge von einer allfälligen Erhöhung ausgenommen werden.
Fazit der Studie: Österreich ist in der Prävention weniger entwickelt als andere Staaten, etwa die USA, Großbritannien oder Finnland. "Umso wichtiger ist es, dieses Ziel der Prävention konsequent zu verfolgen, denn jeder Tag spart Kosten", schliesst Schweitzer. (apa)
