Seit 1. April in Italien: "Nicht ohne meine Warnweste!" Schon bald in Österreich?
- Portugal, Frankreich und Spanien folgen Italien-Beispiel
- Plus: Was Sie in den EU-Staaten beachten müssen
Italienreisende müssen sich seit knapp sechs Wochen nicht nur mit Sonnenschirm, Luftmatratze und Sonnenbrille für ihren Urlaub rüsten. Zusätzlich haben Urlauber jetzt auch ein weit weniger strandtaugliches Utensil im Fahrzeug mitzuführen: eine reflektierende Warnweste. Denn seit 1. April ist bei unseren südlichen Nachbarn in bestimmten Verkehrssituationen das Tragen von Schutzbekleidung für Fahrer von Privat- und Geschäftsfahrzeugen obligatorisch - sowohl für Italiener als auch für Touristen. Jetzt könnte es auch bald in Österreich heißen: "Nicht ohne!"
Bis zu 137 Euro Strafe!
Die Bestimmungen im Detail: Sofern ein Lenker seinen Pkw oder Lkw außerhalb geschlossener Ortschaften - das heißt auf Land- und Schnellstraßen sowie auf Autobahnen - verlässt und sich auf der Fahrbahn oder dem Randstreifen aufhält, muss eine entsprechende Warnweste getragen werden. Wichtig: Es handelt sich bei der neuen Bestimmung um eine Trage-, nicht aber um eine Mitführpflicht. Das bedeutet, dass das Nichtmitführen der Westen (noch) sanktionsfrei ist. Wird man jedoch beim Verlassen des Autos ohne Weste erwischt, so ahnden das die strengen Carabinieri ab sofort mit einer Geldstrafe von 33,60 Euro. Um einiges teurer wird die fehlende Jacke, wenn der Ertappte nicht zahlen kann: Dann nämlich drohen bis zu 137,55 Euro.
Westen-Beschaffenheit: EN 471
Ebenfalls penibel festgelegt in der italienischen Straßensicherheitsnovelle: die Beschaffenheit der Westen. Demnach müssen die Mindestflächen des sichtbaren fluoreszierenden (gelben, orangefarbenen oder roten) Materials 0,50 Quadratmeter und jene des reflektierenden Teils 0,13 Quadratmeter betragen.
Warnwesten-Pflicht bald auch in Österreich?
Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV), begrüßt den italienischen Vorstoß in Sachen Verkehrssicherheit: "Immer wieder passieren schwere Unfälle, weil Autofahrer von anderen Verkehrsteilnehmern übersehen und niedergefahren werden. Durch reflektierende Westen ist eine Person schon von weitem erkennbar - und erhöht damit nicht nur die eigene Sicherheit." Das Kuratorium fordert nun, dass auch in Österreich reflektierende Westen für jeden Autofahrer Pflicht werden. Im Gegensatz zu Italien schlagen Experten für Österreich jedoch eine reine Mitführpflicht vor - ähnlich dem Pannendreieck. Eine entsprechende Änderung im Kraftfahrzeuggesetz wäre laut Thann bereits mit Jahresbeginn 2005 denkbar: "Dabei müsste es allerdings eine Übergangsfrist von einem Jahr geben. Und die etwa zehn Euro pro Weste wären eine einmalige Investition. Außerdem scheint es so, als ob es bald in ganz Europa zur Pflicht werden würde, die Jacken mitzuführen."
Gesetz für ganz Europa?
Dabei wissen nach wie vor die wenigsten Autofahrer, welche Dinge in den verschiedenen EU-Mitgliedsländern zur Pflichtausstattung gehören. So sind etwa in Deutschland Pannendreieck, Verbandskasten und Abschleppseil verpflichtend vorgesehen, während der Nachbar Polen lediglich das Mitführen eines Feuerlöschers empfiehlt.
Erika Kabourek, ÖAMTC-Tourismusexpertin: "Ich rate allen Autofahrern, sich vor ihrer Reise genau zu informieren, da die Bestimmungen sehr unterschiedlich sind. Für alle Länder gültig: Gurten- und Sturzhelmpflicht sowie Telefonieren im Fahrzeug nur mit entsprechender Freisprecheinrichtung."
In der EU-Kommission wird einstweilen schon über eine Ausweitung der italienischen Regelung auf ganz Europa nachgedacht. So werden Portugal und Frankreich demnächst dem italienischen Beispiel folgen und eine entsprechende Verpflichtung einführen. Und in Spanien heißt es bereits ab 24. Juli: "Nicht ohne!"
Übrigens: Die Jacken kosten von neun Euro (ARBÖ) über 9,50 Euro (Forstinger) bis 9,90 Euro (ÖAMTC).
Mehr Informationen zum Thema finden Sie im NEWS Ausgabe Nr. 20.
Amphibienfahrzeug Sea Lion08:07
Zu Wasser und zu LandKonstrukteur Mark Witt baut sich das schnellste Amphibienfahrzeug der Welt
