Montag, 10. Mai 2004

Hotel Sacher baut um: Nobelherberge hinter der Oper sperrt im Sommer zu!

  • Sacher-Chefin: "Müssen schon allein wegen des Lärms schließen". Hotel, Kaffee, Restaurant und Bar betroffen

Eine Wiener Institution schließt im Sommer vorübergehend ihre Pforten: Wegen Umbau-Arbeiten stellt das Hotel Sacher von Ende Juni bis zum 13. September seinen Betrieb ein. Der Grund ist die erste Phase des groß angelegten Neugestaltung. Das Entree wird verbreitert, das Fundament wegen des geplanten Dachausbaues verstärkt, so Sacher-Chefin Elisabeth Gürtler. "Schon allein wegen des Lärms müssen wir schließen."

Denn im Sommer werden auch die Fundamente des Hauses verstärkt, was laut Gürtler für die Aufstockung notwendig ist. Neben diesen lauten und aufwändigen Arbeiten wird gleichzeitig das Entree des Traditionshauses verbreitert. "Auch das ist bei laufendem Betrieb nicht möglich", versicherte die Chefin des Hauses. Die geplante Aufstockung des Hotels um zwei Geschoße soll dann - während des laufenden Betriebs - bis Herbst 2005 erfolgen.

Neben dem Hotel bleiben das angeschlossene Kaffeehaus, das Restaurant und die Bar vorübergehend zu. Letztere werden bei der Umgestaltung des Eingangsbereiches selbst verändert werden. Nicht betroffen von der Schließung sind das neue "Sacher Eck" an der Kärntner Straße und der Tortenverkauf - sowie der Bereich Administration.

Während des Umbaus können nicht alle Mitarbeiter weiter beschäftigt werden, betonte Gürtler. Für die Belegschaft wurde darum ein Sozialplan vereinbart, den die Sacher-Chefin gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Gewerkschaft Hotel, Gastgewerbe, Persönlicher Dienst (HGPD), Rudolf Kaske, präsentierte. Wichtigster Punkt: Alle Mitarbeiter werden nach Abschluss der Arbeiten wieder aufgenommen.

88 Mitarbeiter setzen im Sommer aus
88 Mitarbeiter des Sacher werden vom 1. Juli bis 12. September aussetzen. Laut Tourismus-Gewerkschaftschef Rudolf Kaske gibt es für diese Personen die Möglichkeit, die Zeit mit angefallenem Urlaub bzw. Überstunden zu überbrücken. Auch die Möglichkeit, zukünftigen Urlaub zu konsumieren, gibt es. Mitarbeiter können in dieser Zeit das Unternehmen aber auch verlassen. Sie werden im September wieder eingestellt.

Da ein Stockwerk während der Sanierung des Hauses bis Herbst 2005 nicht benutzt werden kann, wird es für 48 weitere Mitarbeiter bis dahin keinen Job geben. Diese können sich - falls sie nicht überhaupt kündigen - mit Ausnahme der Abfertigung abrechnen lassen. Bei der neuerlichen Aufnahme des Vollbetriebes haben sie wieder Anspruch auf ein Engagement.

Lehrlinge werden in anderen Betrieben untergebracht
Sollten die betroffenen Personen während der Monate dazwischen keine Arbeit finden und mindesten drei Monate durchgehend arbeitslos sein, gewährt das Hotel Sacher eine Zwischenabfertigung. Lehrlinge, die während des Umbaus nicht benötigt werden, sollen in anderen Betrieben untergebracht werden.

Kaske zeigte sich mit dem Plan zufrieden. Lob gab es vor allem für die Ankündigung der Sacher-Chefin, als erstes langgediente Mitarbeiter wieder aufzunehmen. "Das ist nicht selbstverständlich", betonte Kaske. Von Seiten des Betriebsrats des Hotel Sachers wurde ebenfalls Zustimmung geäußert. Soziale Überlegungen seien vor wirtschaftliche gestellt worden, hieß es.
(APA/red)

10.5.2004 12:40