Mittwoch, 12. Mai 2004

Kampf der Geschlechter: Nur 8 Prozent der österreichischen Chefs sind Frauen!

  • Geringster Frauenanteil im AK- und ÖGB-Management
  • Umdenken bei Unternehmen und Frauen gefordert

Nur sieben bis acht Prozent der österreichischen Wirtschaftsbosse sind Frauen, so das Ergebnis einer Studie des "European Women`s Management Development International Network Austria" (EWMP). "In vier von fünf Unternehmen sitzen ausschließlich Männer im Management und im Aufsichtsrat", erklärte EWMP Austria-Vorsitzende und Kommunikationsberaterin Rosemarie Schuller.

Besser sehe die Situation bei den Freiberuflern aus. Spitzenreiter seien die Wirtschaftsprüfer, wo es 36 Prozent weibliche Kammermitglieder gebe. Schlusslicht wären die Architekten. Besonders schlecht schnitten die Sozialpartner ab, und da wiederum sind Arbeiterkammer und Gewerkschaft "Spitzenreiter", wo keine einzige Präsidentin weiblich ist, betonte Schuller.

"Halbe-Halbe" bleibt ein Fremdwort
Von "Halbe-Halbe" sind Frauen auch in der Politik noch weit entfernt. 22 Prozent der Regierungsmitglieder sind weiblich, im Nationalrat beträgt der Frauenanteil 34 Prozent. Dabei sei das Ausscheiden der Frauen aus dem Erwerbsleben nach dem ersten Kind ein "gewaltiger volkswirtschaftlicher Schaden", so die Wiener EWMD-Chefin und Wirtschaftsjournalistin Gertraud Leimüller. Sie forderte eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuung, wie etwa mehr Kinderbetreuungsplätze. Leimüller verwies darauf, dass bei den Managerinnen "auffällig viele Singels oder geschieden sind".

Umdenken in den Formen gefordert
Eva Maria Bertsch vom Managementconsulting Dr.J.F.Jenewein betonte, dass man nicht immer gleich nach der Politik rufen solle, vorher müsse einmal ein Umdenken bei den Unternehmen und den Frauen stattfinden. Diese sollten sich auch mehr in technische Berufe vortrauen, obwohl sie gleichzeitig anmerkte, dass genau in diesem Bereich bei der Personalsuche im überwiegenden Maß nach Männern nachgefragt werde.

Bertsch zeichnete ein düsteres Bild ihrer Erfahrungswerte: "Die Frauen, dich ich vor zehn Jahren in meine Kartei aufgenommen haben, kann ich jetzt größtenteils aussortieren. Sie sind dazwischen irgendwo hängen geblieben."

Der EWMD Austria wurde 1994 gegründet und hat nach Eigenangaben "mehr als 90 Mitglieder". Männer seien herzlich willkommen, bis jetzt habe sei man aber noch ein reiner Frauenklub. (apa/red)

12.5.2004 09:05