Dienstag, 11. Mai 2004

Italienische Frauen sind zufrieden mit ihrer Arbeit und bekommen weniger Kinder!

  • Trauschein ist nicht mehr wichtig, Großfamilien sind out!
  • Auf jede italienische Frau kommen 1,43 Kinder!

Italienische Frauen: Sie leben länger im Haus ihrer Eltern, oft auf Grund des Studiums. Haben sie eine Arbeit gefunden, verdienen sie oft weniger als ihre männlichen Kollegen. Dennoch sind sie zufrieden mit ihrer Arbeit, auch wenn sie weniger Freizeit haben. Das ergab eine kürzlich erschienene Studie des Statistikamtes Istat...

Mehr als 50 Prozent der italienischen Frauen zwischen 25 und 29 Jahren leben noch bei den Eltern. Vor zehn Jahren waren es knapp über 36 Prozent. Laut Istat sind die Töchter nur gewillt, das Haus der Eltern zu verlassen, wenn sie eine Arbeitsstelle haben. Nur dann ziehen sie mit dem Partner zusammen, ohne Trauschein allerdings. Was noch vor zwanzig Jahren undenkbar war, ist heute also an der Tagesordnung: Die Frauen wollen nicht übergangslos vom Haus des Vaters ins Haus des Mannes umziehen. Auch die Einstellung zu Kindern hat sich geändert. Während es früher selbstverständlich war, so viele Kinder wie möglich zu gebären, denken die jungen Frauen heute anders. Laut Istat kommen auf jede italienische Frau in den Dreißigern 1,43 Kinder.

Frauen zufrieden mit Arbeitssituation
Verantwortlich für die familiären Veränderungen ist die Zunahme der berufstätigen Frauen. In den vergangenen Jahren wurden mehr als 1,2 Millionen neue Arbeitsplätze von Frauen belegt, nur 275.000 von Männern. Auch wenn Frauen für die gleiche Arbeit rund 100 bis 200 Euro weniger bekommen als ihre männlichen Kollegen, geben über 78 Prozent der Befragten an, sie seien zufrieden mit ihrer Situation. Einzig störender Faktor: die wenige Freizeit.

Italienische Großfamilie im Schwinden
Der Wandel der italienischen Frau bringt auch einen gewissen Wandel in der Familie mit sich. War die Frau vor einigen Jahrzehnten noch verantwortlich für das Familie, bröckelt momentan der Zusammenhalt. "Während sich die nordischen Länder bereits seit Jahren den gesellschaftlichen Veränderungen angepasst haben, hat sich Italien, die letzte Bastion der Familie, noch gewehrt", erklärt Davide Giaganelli. Für den 34-jährigen Architekten gibt es die italienische Großfamilie als solche, wie sie in den Nachkriegsfilmen gezeigt wird, nicht mehr. Es gebe immer mehr Einzelkinder, die mehr von den Lehrern erzogen würden als von den Eltern.

Präsident Ciampi sorgt sich um Familie
Auch Carlo Azeglio Ciampi macht sich Sorgen um die Familie. Anlässlich des internationalen Tages der Frau erinnerte der italienische Präsident daran, dass eine Gesellschaft mit wenig Müttern und wenig Kindern dazu verurteilt ist zu verschwinden. "Die leeren Wiegen sind das wahre Problem Italiens", so Ciampi. "Politiker und die Institutionen müssen die Frauen jetzt unterstützen." Da viele berufstätig seien, müssten mehr Kindergärten zur Verfügung stehen, auch in den Unternehmen. Zusätzlich sollten die Arbeitszeiten flexibler sein. Nicht die Frau müsse sich anpassen, sondern die Institutionen dem gesellschaftlichen Wandel.
Ciampi forderte in diesem Zusammenhang auch die Männer Italiens auf, sich mehr der Kindererziehung und dem Haushalt zu widmen.
(apa/red)

11.5.2004 10:48