Einer gegen Alle(s): Die vielen Gesichter des Hans-Peter Martin
- Idealistischer Rebell oder egozentrischer Eiferer?

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Über Hans-Peter Martin:
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Er ist ein Umsteiger mit Wiederholungszwang. Vor fünf Jahren wechselte Hans-Peter Martin die Fronten und mutierte vom gefragten Bestsellerautor zum Spitzenkandidaten der SPÖ bei den Europawahlen 1999. Pünktlich zur nächsten Wahl vollzieht er den nächsten Seitenwechsel und tritt mit einer eigenen Partei auch gegen die einstigen Mitstreiter an. Wieder ist seine Euphorie groß, wieder der persönliche Einsatz enorm, wieder wird er diesmal deutlicher in den meisten Medien als durchgeknallter Egomane beschrieben. Schon beim ersten Mal, als dem von Viktor Klima und Andreas Rudas über Nacht aus dem Hut Gezauberten Häme entgegenschlug, sorgte sich sein Vorarlberger Freund, der Schriftsteller Michael Köhlmeier: Es ist nicht gesund, sich in der Art beschimpfen zu lassen. Martin setzt indes auf Selbstheilungskräfte der besonderen Art. Er steigert alles, wofür er in seiner bisherigen Laufbahn im positiven Fall bewundert, im negativen fast schon gehasst wurde, zu einem in Österreich noch nie da gewesenen politischen Alleingang. Zu einem, dem Beobachter gute Erfolgschancen einräumen. Nicht langfristig, aber am 13. Juni 2004.
Missionarischer Eifer. Martin hat sich selbst in das Auge des Taifuns gestellt. Während er im vermeintlich ruhigen Mittelpunkt seine nächsten Wahlkampfschritte setzt, hat er die politische Szene in Europa in Turbulenzen gestürzt. Der 46-jährige Vorarlberger ist vom missionarischen Eifer beseelt, in der EU aufzuräumen, um der Demokratie zu helfen. Es glaubt ihm nur nicht jeder. Und die Zweifler sitzen nicht nur in den Reihen der ehemaligen FraktionskollegInnen oder der jetzigen KonkurrentInnen.
Die einen vermuten einen ganz persönlichen Rachefeldzug gegen die einstigen Mitstreiter, mit denen er seit dem Wahltag am 13. Juni 1999 im Clinch gelegen ist. Andere weisen darauf hin, dass Martin sich mit dem Spesenthema gezielt die beste Trägerrakete wählte, um auch ohne Parteiapparat im Europaparlament bleiben zu können. Wieder andere vermuten primär einen Verkaufsgag für ein neues Buch. Und die allermeisten stoßen sich an seinen Methoden.
Unfähig zum Teamspiel. Kritik kommt naturgemäß aus jener Partei, die ihn einst ins Rennen schickte. SPÖ-Abgeordnete Maria Berger urteilt: Martin ist von der Überzeugung getragen, dass nur er weiß, wos langgeht, er gut und gescheit ist und alle anderen Idioten sind. Dabei hat er in den Parlamentsausschüssen entweder nichts gearbeitet oder allen Schwierigkeiten gemacht. Zudem sei er unfähig, im Team zu arbeiten. Das ist aber notwendig, unterstreicht ein anderer Quereinsteiger, dem Einordnung in Parteistrukturen wahrlich nicht immer leicht fällt, Josef Broukal: Martin hat den Eintritt in die Gemeinschaftsvorstellung namens Politik nicht wirklich verkraftet, und es ist ihm auch nicht gelungen, sich eine Sonderstellung zu erarbeiten. O ja, jetzt hat er sie. Und jetzt macht er einen Feldzug der verbrannten Erde.
Von langer Hand geplant. Von einem Rachefeldzug spricht auch ÖVP-Spitzenkandidatin Ursula Stenzel: Er war Spitzenkandidat der SPÖ und hat sich eine entsprechende Positionierung erwartet. Ich glaube, bei ihm sind so ziemlich alle Quereinsteiger-Hoffnungen zerstört worden. Aber ich hätte mir nie gedacht, dass er den Spieß so gegen alle richtet. Dabei war das sicher keine spontane Idee, sondern von langer Hand geplant. Vielleicht wurden die internen Spannungen in der SPÖ-Delegation zu lange bagatellisiert.
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