Mittwoch, 12. Mai 2004

Jörg Haider: Blaue Geisterstunde

  • Haider kritisiert „seine“ FPÖ – und seine rechten Ex-Förderer bauen H.-C. Strache als FP-Chef auf.

Wie er in NEWS über Bundes-FP und blauen EU-Wahlkampf tobt und wie schwer ein Comeback wird, weil die blauen Rechtsaußen angreifen.

Da staunten die „lieben Freunde“ der Ajatollahs, als die sie der iranische Transportminister Ahmad Khorram begrüßt hatte, nicht schlecht: Montag, nach der Ankunft der FP-Spitze in Teheran, kamen sich Jörg Haider, seine – brav verschleierte – Gattin Claudia, Vizekanzler Hubert Gorbach, Klubchef Herbert Scheibner und Gesundheitsstaatssekretär Reinhart Waneck in ein Märchen aus tausendundeiner Nacht versetzt vor: Extra für sie wurde der mit Juwelen überladene Golestan-Palast geöffnet, ein Relikt der Schah-Zeit, das kürzlich nicht einmal dem Staatsgast Thomas Klestil gezeigt wurde.

Dienstag freute sich auch noch der iranische Staatspräsident Khatami über den „Besuch der lieben Freunde aus Österreich“ – und ob die Geschäfte für die mitgereiste 70-köpfige Wirtschaftsdelegation mehr sind als Märchen aus tausendundeiner Nacht wird sich in einigen Monaten zeigen …

Haiders Groll auf die Bundes-FP. „Jedenfalls wollten Gorbach, Scheibner und Waneck auch ein paar Märchen zum Besten geben. Was glauben Sie, warum ausgerechnet die den Haider mitnehmen?“, fragt ein FP-Insider. Immerhin gilt Waneck als Top-Austauschkandidat bei einer Regierungsumbildung – und Haider macht, gar nicht märchenhaft, die FP-Regierungstruppe um Herbert Haupt, Hubert Gorbach und Herbert Scheibner dafür verantwortlich, dass „derzeit lohnende Aufgaben für die FP wie die Gesundheitsreform nicht wahrgenommen werden“. Dazu komme, so Haider im NEWS-Interview in Teheran, dass „die FP-Wähler endlich ein inhaltliches Signal erwarten und die notwendige Neupositionierung – nicht nur personell – kommen muss“.

Bei EU-Wahl im Schmollwinkel. Hauptgroll des Landeshauptmannes scheint freilich der anlaufende EU-Wahlkampf seiner blauen Truppe zu sein: Die Liste mit dem Ex-Rotgrünen Hans Kronberger, dem Ex-Roten Franz Großmann und dem noch immer Rechtsnationalen Andreas Mölzer kommentiert Haider knapp, fast schnippisch: „Das war eine Entscheidung des Bundesparteivorstands. Wir Kärntner haben nur Franz Großmann entsandt.“

EU-Chaos in Bundes-FP. Und tatsächlich: Nach der Absage von Haider-Intimus Gernot Rumpold berichten FP-Insider von einem sich anbahnenden Chaos beim EU-Wahlkampf. Das Thema Spesen und Neidgenossenschaft habe man sich von Hans-Peter Martin wegrittern lassen – da nützen alle Haider-Angriffe auf Martin nichts. Kopfschüttelnd sehen die FP-Strategen, dass Kronberger vor allem mit seinem Leibthema Umweltschutz in die Kampagne ziehen will. „Dafür wird heutzutage vielleicht ein Grüner gewählt. Aber nicht einmal mehr Voggenhuber geht so auf die Ökoschiene wie Kronberger“, schüttelt man den Kopf. Was Großmann, Ex-Landessekretär der Kärntner SP, tun soll, ist allseits ein Rätsel.

Die ganze Story lesen Sie im neuen NEWS
PLUS: Andreas Mölzer: Rechte Ansagen des FP-EU-Kandidaten
PLUS: Haider im NEWS-Interview: „Leider stellt sich derzeit die FPÖ vielen lohnenden Aufgaben nicht“

12.5.2004 16:27