Phänomen Agassi: Vom Paradiesvogel zum seriösen Top-Athleten
- Der Tennis-Superstar schlägt beim Raika-GP in St. Pölten auf

Kein zweiter Spieler elektrisiert die Zuschauer so wie der Amerikaner. Seine Wandlung vom Rebellen zum Athleten. Wie viel er kassiert. Und was Insider wie Thomas Muster von ihm halten.
Gibt man in der Internet-Suchmaschine Yahoo den Namen Andre Agassi ein, dann spuckt der Computer innerhalb von 0,23 Sekunden 602.000 Links aus. Im offiziellen ATP-Spielerguide füllt der US-Tennissuperstar mittlerweile drei klein gedruckte Seiten, mehr als jeder andere seiner Kollegen. Nur zwei Beispiele, die den Stellenwert und die Bedeutung des Amis eindrucksvoll unter Beweis stellen.
Mithin darf es also als Riesensensation betrachtet werden, dass Agassi nun beim Internationalen Raiffeisen Grand Prix in St. Pölten (16. bis 22. Mai) aufschlägt.
Was das wirklich bedeutet, weiß wohl keiner besser als Österreichs Extennisheld Thomas Muster: Ein absoluter Knüller. Agassi ist ein Publikumsmagnet, der über Jahrzehnte den Tennissport geprägt und Farbe ins Spiel gebracht hat. Außerdem zeichnet ihn noch immer sein modernes Spiel aus.
Der Tennisrebell. Andre Kirk Agassi, wie er mit vollem Namen heißt, ist bei Gott kein normaler Tennisspieler. Seine Karriere gleicht eigentlich einer medienwirksamen Soap-Opera. Kaum ein Spieler ist so beliebt wie er. Und das war auch schon am Anfang seiner Laufbahn so. Als Sohn eines iranischen Einwanderers (zweimaliger Olympiastarter im Boxen) und einer Amerikanerin in der Glitzerstadt Las Vegas geboren, wurde er schon früh mit dem Tennisvirus angesteckt. Im zarten Alter von zwei Jahren lief er bereits mit einem Racket in der Hand herum, und Vater Mike hängte Tennisbälle über sein Bett. Mit 13 kam er in die weltberühmte Tennisschule von Schleifer Nick Bollettieri in Bradenton (Florida). Dort fiel er dem Ausrüstergiganten Nike auf, der ihn sofort unter Vertrag nahm. Ab da war seine Karriere vorgezeichnet.
1986 wurde er Profi, das Jahr darauf feierte er seinen ersten Turniersieg, ein Jahr später war er die Nummer drei der Welt. Mit derselben Geschwindigkeit, mit der er die Returns übers Netz knallte, arbeitete er auf Wunsch von Nike an seinem Image des rebellierenden Tenniscracks. Aus dieser Zeit stammt auch die Bezeichnung Paradiesvogel. Agassi spielte mit langer, blond gefärbter Mähne und abgeschnittenen Jeans. Später mit bunter Radlerhose unter den kurzen Shorts. Unglaublich, denn Tennis galt als weißer Sport.
Legendär auch seine Auftritte beim Daviscup-Knaller 1990 im damaligen Praterstadion und vier Jahre später in der Wiener Stadthalle, die auch seine einzigen Starts in Österreich waren.
250.000 $ Startgeld. Umso erstaunlicher sein Wille, sich ausgerechnet in St. Pölten auf das zweite Grand-Slam-Turnier des Jahres, die French Open in Paris Ende Mai, einzuschlagen. Mit Geld ist der Ami schon lange nicht mehr zu locken. Immerhin cashte er im Laufe seiner Karriere allein an Preisgeld über 30 Millionen US-Dollar. Die Veranstalter des Raika Grand Prix griffen tief in die Tasche. Kolportierte 250.000 US-Dollar sackt Agassi allein für sein Kommen an Startgeld ein, die finanzpotente Kronen Zeitung zahlt den Großteil davon.
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