Freitag, 14. Mai 2004

Schwarze Woche für ATX: Index sauste mehr als 100 Punkte abwärts!

  • 1.798,41 Punkte: Wochenminus von 5,7 Prozent
  • 1.900er und 1.800er Marke nach unten durchbrochen

Massiv unter die Räder gekommen ist der Wiener Aktienmarkt in der abgelaufenen Handelswoche. Um mehr als 100 Punkte ging es im Leitindex ATX abwärts. Damit wurden gleich zwei wichtige ATX-Marken innerhalb weniger Tage nach unten durchbrochen, die 1.900er und die 1.800er-Marke. In einem schwachen internationalen Umfeld hätten etliche Investoren ihre Gewinne realisiert, hieß es dazu im Markt. Der ATX habe angesichts der kräftigen Kurssteigerungen im bisherigen Jahresverlauf größeres Korrekturpotenzial als die übrigen Indizes.

Stark zum 5,7-prozentigen Wochenverlust auf 1.798,41 ATX-Punkte beigetragen hat die OMV die "enttäuschende" Ergebnisse zum ersten Quartal bekannt gegeben hatte, aber auch die im Index schwer gewichteten Finanzwerte Erste Bank und Bank Austria Creditanstalt (BA-CA). Für die kommende Woche rechnen die Analysten der Ersten mit einer ATX-Bandbreite von 1.770 bis 1.840 Punkten. Sie legen sich damit nicht fest, ob es wieder aufwärts oder abwärts geht.

Die OMV-Aktie war diese Woche mit einem zweistelligen Kursminus von fast 13 Prozent größter Verlierer im ATX. Dass der um Sondereffekte bereinigte Betriebserfolg bis März um 10 Prozent auf 141 Mio. Euro zurückging, enttäuschte den Markt. Heimische Analysten hatten im Mittel einen Anstieg um 13 Prozent erwartet. Mehrere Investmenthäuser reduzierten in der Folge ihre Anlageempfehlungen. Zugleich hat der Ölkonzern den Verkauf seiner Anteile an zwei Ölaufsuchungsgebieten im Sudan für 115 Mio. Dollar bekannt gegeben.

Nicht enttäuscht haben die Rekordzahlen der Erste Bank, dennoch geriet die Aktie stark unter Druck. In den ersten drei Monaten 2004 stieg der Konzernüberschuss um 37,5 Prozent auf 104,2 Mio. Euro - das bisher beste Quartalsergebnis des Instituts. Erste Bank gaben um 6,2 Prozent nach. Auch BA-CA rutschten ab um 5,1 Prozent ab. Die größte Bank in Österreich hat angekündigt, ihre Back-Office-Tätigkeiten bündeln und bis Ende 2006 im Inland 1.600 Stellen in eine eigene Gesellschaft auslagern zu wollen. Vor allem in Rumänien und Polen hat die BA-CA neue Akquisitionsobjekte im Visier.

Die Schweizer Swisscom bleibt auch nach der jüngsten Ankündigung der ÖIAG, 17 Prozent der Telekom Austria (TA) bis Jahresende 2004 vor allem an Institutionelle verkaufen zu wollen, weiter an einem TA-Einstieg interessiert: "Es wäre eine Enttäuschung, wenn Österreich seinen Anteil an institutionelle Investoren verkaufen würde anstatt der Swisscom." Dem Aktienkurs der TA half die neuerliche Interessensbekundung aus der Schweiz nichts, im Wochenverlauf ging es ging um 6,8 Prozent abwärts.

Unter Druck standen auch die Luftfahrt-Titel Flughafen Wien und AUA. Nach dem ersten Quartal 2004 lag der Flughafen-Betriebsgewinn mit 21,6 Mio. Euro um 7,7 Prozent unter dem Vorjahreswert und damit unter den Erwartungen heimischer Analysten, die von einem Anstieg ausgegangen waren. Gleichzeitig gab das Unternehmen bekannt, bis April um fast ein Fünftel mehr Passagiere als im Vorjahr abgefertigt zu haben. Die Aktie verlor 5,2 Prozent. Die AUA hat den beabsichtigten Verkauf ihres 10,33-prozentigen Anteils am Verkehrsbüro bestätigt. Als wahrscheinlicher Käufer gilt die Wiener Städtische. AUA stürzten um 6,7 Prozent ab.

Gegen den Trend im Plus waren VA Tech. Die Union Versicherung, 45 Prozent-Tochter der Wiener Städtischen, verkauft ihren VA Tech-Anteil an die Victory Industriebeteiligung um den Industriellen Mirko Kovats, den zweitgrößten Aktionär des Linzer Technologiekonzerns nach der Staatsholding ÖIAG. Victory hat bis 27. Mai eine Option auf die mehr als 115.000 VA Tech-Aktien der Union Versicherung, die einem Anteil von 0,77 Prozent entsprechen. Mit Ausübung der Option steigt der VA Tech-Anteil der Victory von 12,53 auf 13,3 Prozent. VA Tech gewannen im Wochenvergleich 2,8 Prozent.

Der steirische Anlagenbauer Andritz konnte im ersten Quartal seinen Periodenüberschuss stärker als erwartet steigern. Er verdoppelte sich beinahe auf 8 Mio. Euro, während Analysten einen Anstieg um lediglich die Hälfte erwartet hatten. Die Aktie gehörte mit einem Kursplus von 2,9 Prozent ebenfalls zu den wenigen Wochengewinnern. Böhler-Uddeholm dagegen büßten um 6,0 Prozent ein. Dass der Edelstahlerzeuger ein kräftiges Umsatz- und Gewinnplus für das erste Quartal bekannt gab und den bisherigen positiven Ausblick für 2004 bestätigte, blieb praktisch ohne Auswirkungen auf den Kurs. Ähnlich lief es diese Woche bei Wienerberger: Starke Erstquartalszahlen konnten nicht verhindern, dass der Aktienkurs des Ziegelherstellers um 7,3 Prozent abbröckelte. (APA/red)

14.5.2004 12:59