Donnerstag, 13. Mai 2004

Nach der Vergabe der Fußball-WM: Ganz Südafrika feiert den Zuschlag

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  • Präsident Mbeki verspricht: '2010 geht der Titel an Afrika'

Als FIFA-Präsident Sepp Blatter am Samstag im Zürcher World Trade Center um 12:24 Uhr den Umschlag öffnete und den Gastgeber der Fußball-WM 2010 verkündete, versetzte er ganz Südafrika in einen Freudentaumel. Tausende, die vor Großbildleinwänden der Entscheidung entgegengefiebert hatten, ließen ihrer Freude freien Lauf. Sie umarmten sich, tanzten und sangen auf den Straßen. Durchs ganze Land ertönten die Klänge der "Vuvuzelas", aus Plastik gemachten Musikinstrumente, die in Südafrika bei Spielen fast immer dabei sind und wie Hörner klingen.

Staatspräsident Thabo Mbeki, der schon am Freitagabend von Zürich nach Südafrika zurückgekehrt war, versprach im öffentlichen Fernsehen auch gleich den WM-Titel für den Mutterkontinent: "Ich bin mir sicher, 2010 wird ein afrikanisches Land auch Weltmeister." Im Feiern präsentierten sich die Südafrikaner schon am Wochenende weltmeisterlich.

Die WM-Botschafter rund um ihre Freiheits-Symbolfigur Nelson Mandela lagen sich überglücklich in den Armen. "Ich fühle mich wie ein 50-jähriger junger Mann", strahlte der 85-jährige Mandela, den Weltpokal in der Hand und Freudentränen in den Augen. Mit "Mabida"-Sprechchören huldigte die rund 150-köpfige Delegation ihrem ehemaligen Staatschef als Matchwinner eines überraschend schnell entschiedenen Rennens.

Bereits nach dem ersten Wahlgang hatten die FIFA-Exekutivmitglieder mit 14:10-Stimmen die absolute Mehrheit für den Favoriten und gegen den Hauptkonkurrenten Marokko gefunden. Außenseiter Ägypten, dem FIFA-Präsident Joseph Blatter die "beste Präsentation" bescheinigt hatte, ging gänzlich leer aus. Libyen wurde kurzfristig erst gar nicht zur Abstimmung zugelassen, weil es keine Einreisegarantien für Israel im Fall der Qualifikation geben wollte.

"Ein Land mit einer solch multikulturellen Gesellschaft und einer solchen Vergangenheit ist sehr gut geeignet, eine WM auszurichten", betonte Blatter, der bereits vor vier Jahren beim hauchdünn mit 12:11 beendeten Duell zwischen Deutschland und Südafrika um die WM 2006 für den Kap-Staat votiert hatte. Franz Beckenbauer sprach von einem verdienten Wahlergebnis und prophezeite: "Südafrika wird ein sehr guter Gastgeber sein."

Mit Südafrika erhielt nun das Land den Zuschlag, das aus dem Kandidaten-Kreis über die beste Infrastruktur verfügt, den offensivsten Wahlkampf führte und am offensichtlichsten die Regierung als Rückhalt präsentierte. Im Gegensatz zur Enttäuschung vor vier Jahren, als man allzu sehr auf den Mitleid-Bonus nach 300 Jahren Unterdrückung gesetzt hatte, überzeugte der Kap-Staat im zweiten Anlauf zudem durch die geschaffenen Voraussetzungen.

Um bis zur WM auf Ballhöhe zu kommen, sind aber noch millionenschwere Investitionen nötig. So sind von den 13 geplanten Stadien in elf Städten derzeit lediglich drei WM-tauglich. Mit welchen Mitteln gebaut und renoviert werden soll, ist noch unklar. Das aufgestellte Budget mit einem kalkulierten Etat von rund 500 Millionen US-Dollar (424 Mio. Euro) wird von den FIFA-Inspektoren als inakzeptabel eingestuft, ebenso die angesetzten Ticketpreise, die das Zehnfache der sonst ortsüblichen Preise betragen.

Diese Probleme hätte es in Marokko, das mit einer Bürgschaft von 140 Millionen US-Dollar (118,6 Mio. Euro) gelockt hatte, nicht gegeben. Dementsprechend niedergeschlagen zog die auch im vierten Anlauf sieglose Delegation aus dem Königreich wie auch die ägyptischen WM-Botschafter ab. Die nordafrikanischen Länder hatten den Hauptschuldigen für das Scheitern unmittelbar nach Bekanntgabe der Niederlage in "Südafrika-Wahlhelfer" Blatter benannt.

Gemäß dem von der FIFA beschlossenen Rotationsprinzip müssen die Wahlverlierer 24 Jahre warten, ehe wieder ein afrikanisches Land an der Reihe ist. 2014 geht die WM nach Südamerika, vermutlich nach Brasilien und möglicherweise ganz ohne Wahlkampf. Wie aus FIFA-Kreisen verlautete, will keiner gegen den Rekord-Weltmeister antreten.


(apa/red)

13.5.2004 10:51