Vienna-City-Marathon: Kenianer Kandie markiert mit 2:08:35 neuen Streckenrekord
- Um 13 Sekunden schhneller als Cheruiyot im Jahr 2000
- Buchleitner schafft in 2:12:58 Olympia-Qualifikation
Der Kenianer Samson Kandie hat am Sonntag den 21. Vienna City Marathon in der neuen Rekordzeit von 2:08:35 Stunden gewonnen und die bisherige Bestmarke seines Landsmannes Willy Cheruiyot aus dem Jahr 2000 um 13 Sekunden verbessert. Der 33-Jährige, der erst von wenigen Tagen nach der verletzungsbedingten Absage von Vorjahrssieger Joseph Chebet verpflichtet wurde, kassierte neben den 10.000 Euro Siegesprämie zusätzliche 5.000 Euro.
Der Niederösterreicher Michael Buchleitner wurde in 2:12:58 Fünfter, verpasste den österreichischen Rekord (2:12:22) zwar einmal mehr, blieb aber zwei Sekunden unter der Norm für Olympia. Bei den Damen siegte die Italienerin Rosario Console in 2:29:22, Eva-Maria Gradwohl wurde in neuer persönlicher Bestzeit von 2:38:04 Vierte.
Kandie lief von Beginn an vorne weg und fand bei Temperaturen unter 15 Grad, abwechselnd Sonnenschein und Wolken sowie einem kurzen, heftigen Regenschauer gute Marathon-Bedingungen vor. Vom Wind, der mit Böen von bis zu 50 km/h wehte, ließ er sich nach eigenen Angaben im Gegensatz zur Konkurrenz nicht stören. Noch vor der 30-km-Marke im Prater startete er die entscheidende Attacke und lief die letzten Kilometer bis zum Heldenplatz ein einsames Rennen an der Spitze.
"Der Wind hat mir überhaupt nichts ausgemacht. Ich wolle einfach eine schnelle Zeit laufen und deshalb habe ich am Ende alles gegeben", erklärte der Sieger, der, wie es unter Spitzenläufern mittlerweile üblich ist, einen schnelleren zweiten Halbmarathon lief. "Der Sieg war nicht geplant, ich wollte nach einem Jahr Pause einfach nur wissen, wo ich stehe." Die Wiener Siegerzeit ist die fünftschnellste der bisher in diesem Jahr gelaufenen Frühjahrsmarathons.
Buchleitner schafft Olympia-Limit
Zweiter wurde Kandies Landsmann Raymond Kipkoech in 2:10:45, Dritter der Portugiese Luis Jesus (2:11:24). Buchleitner büßte als Fünfter im Vergleich zum Vorjahr zwar einen Rang ein, qualifizierte sich aber als zweiter österreichischer Leichtathlet nach Sprinterin Karin Mayr-Krifka für Olympia. Den Rekord von Gerhard Hartmann (2:12:22 am 13. April 1986 in Wien) konnte er aber erneut nicht knacken.
"Ich hab's zehn Mal probiert, aber ich bin auch so ein glücklicher Mensch. Bis Kilometer 35 ist es sehr gut gegangen, die Halbmarathonzeit hat auch genau gepasst, ich war auf Rekordzeit. Aber die letzten sechs Kilometer waren beinhart. Der Wind war da schon ein Problem", meinte der 34-Jährige, der trotzdem seine drittbeste Marathonzeit überhaupt markierte.
Mit der durch einen starken Endspurt noch fixierten Athen-Teilnahme hat er ein großes Ziel erreicht. "Das ist mein letztens Jahr als Spitzensportler. Und Olympia ist der wunderschöne Abschluss einer Karriere." Ein weiterer Rekordversuch geht sich also nicht mehr aus, es sei denn, er wäre durch äußere Umstände (Hitze) gezwungen, in Athen auszusteigen; dann wäre Spielraum für einen anderen Herbstmarathon da: "Aber die Frage stellt sich eigentlich nicht, da ich noch nie ein Rennen aufgegeben habe."
In Buchleitners Gruppe war lange auch der Kenianer Moses Tanui gelaufen, der Gewinner von 2002 wollte mit Wien nach seinem Sturz im Vorjahr eigentlich eine Rechnung begleichen, es reichte aber nur zum elften Platz.
Sieg bei den Damen geht an Console
Bei den Damen war Topfavoritin Lidia Simon aus Rumänien, 2000 in Sydney Olympia-Zweite, gehandicapt ins Rennen gegangen. Sie hatte sich in den vergangenen Tagen mit einer starken Verkühlung herumgeschlagen, und so reichte es im zweiten Marathon nach der Babypause hinter Console in 2:30:40 nur zu Platz zwei. Dritte wurde die Deutsche Sonja Oberem (2:30:58).
Console sah es wie Kandie und sprach trotz Wind von einem regulären Rennen, da die Kilometerzeiten nicht stark differierten. "Bei Kilometer 31 war ich mir sicher, dass ich gewinnen kann. Dieser Sieg ist mein größter Erfolg bisher", nahm sie nur die besten Erinnerungen von ihrem ersten Wien-Besuch überhaupt mit.
Gradwohl war als Vierte vom Podestplatz und dem (ohnehin nicht angestrebten) Olympialimit von 2:33 weit entfernt, aber dennoch glücklich. "Ich habe mich zeitmäßig und von der Platzierung her verbessert, es ist wieder ein Stück weiter gegangen. Der Wind hat stark gedreht, es war wirklich schlimm, von dem her bin ich sehr zufrieden", erklärte die Steierin, die im Vorjahr in 2:39:48 Sechste geworden war. Jetzt will sie international Erfahrungen sammeln, Fernziel ist die Teilnahme an den Sommerspielen 2008 in Peking.
Insgesamt 19.785 Aktive waren am Sonntag in den verschiedenen Läufen im Rahmen des VCM unterwegs, 7.154 davon nahmen die klassischen 42,195 km in Angriff. Das bedeutete einen deutlichen Rückgang gegenüber der vergangenen Jahre (2002: 25.150, 2003: 24.393), als einen der Gründe sehen die Veranstalter den harten Winter. Aber auch an Zuschauern an der Strecke hat der Wien-Marathon in seiner Geschichte schon mehr gesehen.
Ergebnis:
| Männer: | |||
| 1. | Samson Kandie | KEN | 2:08:35 Stunden* |
| 2. | Raymond Kipkoech | KEN | 2:10:45 |
| 3. | Luis Jesus | POR | 2:11:24 |
| 4. | Artur Osman | POL | 2:12:48 |
| 5. | Michael Buchleitner | AUT | 2:12:58** |
| 6. | Partick Chumba | KEN | 2:13:08 |
| 7. | Elijah Mulandiro | ZIM | 2:13:55 |
| 8. | Piotr Gladki | POL | 2:14:28 |
| 9. | Mykola Rudyk | UKR | 2:15:00 |
| 10. | Josphat Rop | KEN | 2:15:08 |
| 11. | Moses Tanui | KEN | 2:15:09 |
* Streckenrekord - bisher Willy Cheruiyot/KEN, 2:08:48/21.05.2000
** ÖLV-Olympialimit
| Frauen: | |||
| 1. | Rosaria Console | ITA | 2:29:22 |
| 2. | Lidia Simon | ROM | 2:30:40 |
| 3. | Sonja Oberem | GER | 2:30:58 |
| 4. | Eva Maria Gradwohl | AUT | 2:38:04 |
(apa/red)
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