Fußball-Weltmeisterschaft 2010: Südafrika und Libyen investieren Milliarden
- Libyen mit größtem Budget in der WM-Geschichte
- Vergabe der Weltmeisterschaft am Samstag in Zürich
Wohin sich die Fußball-Nationalmannschaften 2010 begeben müssen, um ihren Weltmeister zu finden, steht bereits jetzt zumindest ungefähr fest. Die Wettkämpfe werden erstmals auf afrikanischem Boden stattfinden, wo genau entscheidet die FIFA am Samstag an ihrem Sitz in Zürich. Als Favorit gilt Südafrika, das alles daran setzt, die WM zu bekommen. Doch auch das, als ungeeingnet bezeichnete, Libyen glaubt fest an den Zuschlag, verspricht Investitionen in der Höhe von neun Milliarden Dollar.
Im Rennen um die Ausrichtung der ersten Fußball-WM auf afrikanischem Boden im Jahr 2010 ziehen die Südafrikaner alle Register. Zur WM-Vergabe am Samstag am FIFA-Sitz in Zürich wurden ihre obersten Sympathieträger, die beiden Friedens-Nobelpreisträger Nelson Mandela und Erzbischof Desmond Tutu, abgeordnet. "Zum zehnjährigen Jubiläum der Demokratie könnte es für uns kein besseres Geschenk geben", erklärte Mandela.
Als Argumentationshilfe wird auch das Wetter bemüht. Bei den Rivalen Marokko und Ägypten herrschen in den WM-Monaten Juni/Juli zwischen Nil und Atlas-Gebirge Schweiß treibende 35 Grad, heißt es. Südafrika dagegen garantiere frühlingshafte Bedingungen: Blauer Himmel und sehr verträgliche 22 Grad Celsius.
Mandelas Enkel versprechen der Kicker-Gemeinde Weltklasse-Fußball zwischen Tier-Paradiesen und Palmen. Zehn Jahre nach der weltweit bewunderten friedlichen "Wende am Kap", die das Ende von Apartheid und weißer Vorherrschaft besiegelte, wollen die Südafrikaner nun zum großen Schlag ausholen. Die WM-Endrunde soll das gespaltene Land rund um ein großes Ideal zusammenführen, Arbeitsplätze schaffen und zugleich Afrikas Image gehörig aufpolieren. Nicht wenige Südafrikaner haben dabei das Gefühl, die Welt schulde ihnen diese WM.
Bereits zweite Bewerbung Südafrikas
"Ein Zuschlag wäre das bedeutendste Ereignis in der jüngeren Geschichte Südafrikas. Es gäbe uns die Chance, der Welt einen neuen, erfrischenden Blick auf Afrika zu bieten", glaubt Danny Jordaan, der Leiter der Bewerbungskommission. Seit 1997 kämpft der Staat bereits um die WM und hat dabei umgerechnet 24,3 Millionen Euro ausgegeben - doch die WM 2006 wurde knapp an Deutschland vergeben. "Von der Qualifikation her betrachtet hatte Deutschland damals das Recht darauf, zu gewinnen", sagt Jordaan heute.
Diesmal soll aber nichts mehr schief gehen. Die Rahmenbedingungen gehören zu den besten auf dem Kontinent, bestätigte den Südafrikanern gerade ein technisches Experten-Team des Weltverbandes FIFA. Der Großteil der ins Auge gefassten 13 WM-Stadien existiert bereits und verteilt sich auf einige der landschaftlich reizvollsten Gegenden zwischen Indischem Ozean und Atlantik. "Wir sind seit langem bereit für die WM", betont Tourismus-Chefin Cheryl Carolus. Sie verweist auf steigende Tourismus-Zahlen und die entsprechende Infrastruktur. Rund 70 Airlines flogen im vergangenen Jahr 6,5 Millionen Urlauber an den Kap-Staat mit seiner 3.000 km langen Küstenlinie.
Schaffung von über 150.000 Arbeitsplätzen durch Zuschlag Südafrika erhofft sich bei einem Zuschlag die Schaffung von 156.000 Arbeitsplätzen in Bau-, Service- und Sicherheits-Bereich. Im wirtschaftlichen Zentrum des Landes zwischen Johannesburg und Pretoria - wo die vier größten WM-Stadien einen Schwerpunkt setzen - soll schon im kommenden Jahr mit dem Bau eines modernen Hochgeschwindigkeits-Zuges begonnen werden. Durban erwägt sogar den Bau eines völlig neuen Riesen-Stadions für 96.000 Zuschauer.
Die Frage nach der Sicherheit kann Jordaan hingegen kaum noch hören: "Sie war immer wieder von der FIFA gestellt worden. Aber wir haben in den vergangenen zehn Jahren insgesamt elf Großveranstaltungen ohne Zwischenfälle über die Bühne gebracht. Das spricht für sich." Er leugnet die hohe Gewaltkriminalität nicht, sieht sie aber eher als sozio-ökonomisches Phänomen an: "80 Prozent der Verbrechen spielen sich in den armen Gebieten ab." Gerade Afrikas Habenichtse sind es, denen die WM Inspiration geben soll. Schließlich gibt es keinen Sport, der in Afrika populärer wäre als Fußball. Jordaan: "Auf dem Kontinent repräsentiert der Sport die Ärmsten der Armen."
Libyen mit größtem Budget in der WM-Geschichte
Der vom Fußball-Weltverband FIFA als ungeeignet bezeichnete Bewerber Libyen hat wenige Tage vor der Vergabe der Weltmeisterschaft 2010 an ein afrikanisches Land mit einer angekündigten Rekord-Investition seine Ambitionen unterstrichen. Das Land will neun Milliarden US-Dollar für das Großereignis zur Verfügung stellen. "Wir haben das größte Budget in der WM-Geschichte und wir hoffen, dass wir die Gastgeber sein können", sagte der Generalsekretär des Libyschen Fußball-Verbandes, Abdulmagid Aboushwesha, auf der Homepage das WM-Kandidaten.
Libyen gilt bei der Entscheidung durch die FIFA-Exekutive am Samstag in Zürich dennoch als chancenlos. In dem von der FIFA veröffentlichten Dossier wurde das Land auf den letzten Platz gesetzt. Nachdem Tunesien als Vorletzter des Rankings seine Kandidatur bereits zurück gezogen hatte, sind noch Südafrika, Ägypten und Marokko im Rennen.
Die Libyer setzen im Kampf um die Ausrichtung der WM nun auf die Ankündigung einer Riesen-Investition. Nach Angaben des Libyschen Fußball-Verbandes sollen acht neue Stadien in sechs Städten entstehen. Diese, so der Generalsekretär, können bis 2008 fertig gestellt sein.(APA/red)
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