Sonntag, 16. Mai 2004

Jet-Zusammenstoß über Bodensee: Disput zwischen Piloten der russischen Maschine

  • Unglück hätte verhindert werden können: Kopilot wollte Flugzeug hochziehen, Pilot war dagegen

Vor dem Zusammenprall zweier Flugzeuge am 1. Juli 2002 in der Nähe von Überlingen am Bodensee soll es im Cockpit der russischen Tupolew Streit über das Vorgehen der Piloten gegeben haben. Das berichtet die Schweizer "SonntagsZeitung" unter Berufung auf den am Mittwoch erwarteten Unfallbericht der deutschen Flugunfalluntersuchung. Bei der Kollision kamen 71 Menschen ums Leben, meist Kinder.

Eine Passagiermaschine aus der russischen Teilrepublik Baschkirien war mit einer Fracht-Boeing des Kurierdienstes DHL zusammengestoßen. Dem Bericht zufolge hatte bereits die russische Zeitung "Ogonjok" von einer Auseinandersetzung unter den Piloten berichtet, ob man der Anweisung des Kollisionswarngerätes oder dem Lotsen der Schweizer Flugsicherung skyguide folgen soll.

Bisher war man davon ausgegangen, dass der Pilot der russischen Maschine blind der - falschen - Anweisung des skyguide-Lotsen zum Sinken gefolgt war. Die Tupolew stieß dann mit der ebenfalls nach unten gehenden DHL-Boing zusammen. Nach dem Bericht der "SonntagsZeitung" zeigen die Aufzeichnungen der Cockpit-Gespräche, dass der Kopilot der Tupolew aufsteigen wollte, wie es das Warngerät - richtig - vorgegeben hatte. Doch der Pilot habe das Gerät ignoriert und sei den Anweisungen des Lotsen gefolgt.

Der 123-seitige Untersuchungsbericht belaste skyguide sehr, weil der Dienst habende Fluglotse allein im Kontrollraum gewesen sei und die Telefone nicht funktionierten, schreibt die Zeitung. Der Lotse wurde im Februar in Zürich erstochen. Ein der Tat verdächtigter Russe, der seine Familie verloren hatte, sitzt in Untersuchungshaft. Mit der Vorlage des Untersuchungsberichts soll am Mittwoch die Suche nach der Ursache abgeschlossen werden.

(apa)

16.5.2004 14:47