Powell und Bremer einig: US-Truppenabzug aus dem Irak möglich!
- Falls Übergangsregierung den Abzug fordert
- Auch Straw könnte sich Einsatz-Ende vorstellen
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Die USA wären nach den Worten ihres Außenministers Colin Powell grundsätzlich zu einem Abzug ihrer Truppen aus dem Irak bereit, falls die ab dem 30. Juni geplante irakische Übergangsregierung das verlangen sollte. Powell sagte am Freitag zum Abschluss des Außenministertreffens der G-8-Staaten in Washington, er habe allerdings "keinen Zweifel", dass die Interimsregierung die Truppen der US-geführten Koalition weiterhin im Land behalten wolle. Insofern sei dies eine Frage, über die er "absolut keinen Schlaf" verliere.
Sollte die Übergangsregierung jedoch den Abzug verlangen, "würden wir gehen", sagte Powell. Auch der britische Außenminister Jack Straw sagte: "Würden sie uns bitten zu gehen, würden wir gehen."
Bremer kann sie Abzug ebenfalls vorstellen
Nach erneuten Kämpfen im Irak erwägen nun offenbar auch die USA einen Abzug ihrer Truppen. US-Statthalter Paul Bremer sagte vor einer Versammlung irakischer Gouverneure, dass es nicht möglich sei, in einem Land zu bleiben, in dem die USA "nicht willkommen" seien. Wenn die künftige Übergangsregierung, die nach der Machtübergabe am 30. Juni die Verantwortung übernehmen soll, einen Abzug fordern sollte, würden sich die USA aus dem Land zurückziehen. Er glaube aber nicht, dass diese Forderung erhoben werde, fügte der amerikanische Zivilverwalter hinzu.
Bei ihrem bisher tiefsten Vorstoß haben sich US-Truppen auf dem Friedhof von Najaf Gefechte mit schiitischen Milizionären geliefert. Weitere Soldaten rückten am Freitag in Richtung eines heiligen Schreins vor, in dessen Nähe sich das Büro Muktada al Sadrs befindet. Über Najaf kreisten Hubschrauber und ein Kampfflugzeug. In der Innenstadt von Najaf waren Explosionen zu hören, Dutzende Zivilpersonen flüchteten aus den umkämpften Stadtgebieten. Von zwei Orten stiegen schwarze Rauchsäulen auf.
Die US-Truppen scheiterten mit dem Versuch, Sadr an seiner wöchentlichen Predigt im benachbarten Kufa zu hindern. Obwohl sie die Straße von Najaf nach Kufa am Morgen abgeriegelt hatten, erschien Sadr dort wie üblich zum Freitagsgebet. In seiner Predigt beschimpfte er US-Präsident George W. Bush und den britischen Premierminister Tony Blair als "Tyrannen" und warf ihnen vor, das Leiden irakischer Häftlinge in den Gefängnissen der Koalitionstruppen zu ignorieren. In der seit Tagen umkämpften heiligen Stadt Kerbala kam es nach Angaben von Einwohnern zu Gefechten zwischen US-Soldaten und Anhängern Sadrs. Bei einem Bombenanschlag im Dorf Mukdadiyah nordöstlich von Bagdad wurden am Freitag der Führer des Stammes Miahi und eine seiner Töchter getötet. Nach Angaben von Nachbarn arbeitete der Mann mit der US-geführten Koalition zusammen.
In Bagdad wurden 315 Häftlinge aus dem berüchtigten Gefängnis Abu Ghraib freigelassen, aus dem die Fotos folternder US-Soldaten stammen. Die US-Streitkräfte haben bereits in der Vergangenheit in größeren Abständen Gruppen von Häftlingen aus Abu Ghraib entlassen. Künftig sollen jedoch wöchentlich 300 bis 400 Gefangene freigelassen oder der irakischen Justiz übergeben werden, wie der neue Kommandant des Gefängnisses, Geoffrey Miller, erklärte. Derzeit sind in Abu Ghraib noch über 3.000 Iraker inhaftiert.
Der französische Außenminister Michel Barnier appellierte an die USA, mit der geplanten Machtübergabe an eine irakische Übergangsregierung einen "klaren Schnitt" zu machen. Washington müsse akzeptieren, dass die Besatzung am 30. Juni ende, selbst wenn die US-Truppen im Irak blieben, sagte Barnier am Donnerstagabend (Ortszeit) nach einem Treffen mit UNO-Generalsekretär Kofi Annan in New York. Der Übergangsregierung müsse die Verantwortung für die innere Sicherheit, Justiz und Wirtschaft übertragen werden. "Der Schlüssel zum Erfolg ist, dass man die Iraker respektiert, ihnen Vertrauen schenkt und dass der Geist der Besatzungstruppen ab dem 1.Juli ein anderer ist", sagte Barnier. (apa/red)
