Mittwoch, 12. Mai 2004

Al Sadr zur Auflösung der Milizen bereit:
"Wenn religiöse Autoritäten Befehl geben"

  • Widerstand gegen Besatzer soll aber aufrecht bleiben

Muktada Al Sadr ist wegen der wachsenden Kritik im eigenen Lager offenbar bereit seine Milizen aufzulösen. Den Widerstand gegen ausländische Truppen werde er aber fortsetzen, sagte der schiitische Rebellenführer vor Journalisten in Najaf. Er vergleich die Besatzer auch mit dem Regime des gestürtzten Präsidenten Saddam Hussein

Wie ernst die Ankündigung Sadrs gemeint war, blieb zunächst unklar. Er hatte schon mehrfach eine Auflösung seiner Miliz angeboten, wenn sich die US-Truppen zurückziehen würden. Diesmal scheint aber der Druck aus den eigenen Reihen größer zu sein, seine Ankündigung wahr zu machen. Sadr hat die Unterstützung vieler Schiiten in den Städten verloren, die unter der wochenlangen Belagerung durch die US-Truppen leiden. Außerdem stoßen sich ältere Religionsführer an den Ambitionen des etwa 30 Jahre alten Sadr.

Dieser legte die Verantwortung für die Auflösung der Miliz in deren Hände: Die Auflösung seiner Miliz könne nur von den religiösen Autoritäten angeordnet werden. "Wenn sie einen Erlass zur Auflösung der Mahdi-Miliz herausgeben, dann werden wir sie auflösen. Wenn nicht, dann wird sie zur Verteidigung unseres Landes und seiner Heiligkeit bleiben", sagte Sadr.

Den US-Truppen warf Sadr vor, mit ihrer Anwesenheit dem Frieden nicht zu dienen. "Ihre Präsenz im Irak bedeutet nicht Frieden; sie führt zur Ausbreitung von Terrorismus", sagte er. "Wir sind auf jede Form der Eskalation durch die Amerikaner gefasst. Wir erwarten nichts anderes." Sadr verwies auf die Folterungen von Irakern durch US-Soldaten und fragte: "Sind jene, die gekommen sind, um Saddam zu beseitigen, nicht genauso geworden wie Saddam?"

Eine Lösung des Konflikts zwischen den aufständischen Schiiten und der Besatzungsmacht könnte in einer von ranghohen schiitischen Religionsführern angestrebten Übereinkunft liegen, nach der die Mahdi-Miliz in einer irakischen Sicherheitstruppe aufgeht, die die Kontrolle über die Städte im Süden des Irak übernimmt. Die US-Truppen würden sich aus diesen Städten zurückziehen. Ein ähnliches Modell funktioniert seit einiger Zeit in der von Sunniten dominierten Stadt Falluja im Norden des Landes, in der es ebenfalls einen Aufstand gegen die Besatzer gegeben hatte. Im Prinzip soll eine ähnliche Übereinkunft für die schiitischen Städte erreicht worden sein, verlautete aus Kreisen des Obersten Rates der Islamischen Revolution im Irak. Am Mittwoch wurde offenbar noch über Einzelheiten verhandelt.
(apa/red)

(apa)

12.5.2004 17:00