Dienstag, 11. Mai 2004

Italienische Irak-Geiseln: Familien wollen einen Video-Appell an Entführer richten

  • Angehörige wollen Nachrichtensperre brechen
  • "Seit über 2 Wochen keine Nachricht unserer Söhne"

Vor acht Tagen hatte Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi zur Nachrichtensperre bezüglich der drei Geiseln im Irak aufgefordert um die Verhandlungen mit den Entführern nicht zu belasten. Jetzt wollen Angehörige diese Sperre brechen und ein Video mit einem Appell an die Entführer aufnehmen, das dann vom arabischen Fernsehsender Al Jazeera gesendet werden soll.

"Wir wollen die Bemühungen der italienischen Regierung nicht beeinträchtigen, wir hoffen jedoch, dass wir nach der Sendung des Videos Nachrichten über unsere Angehörige erhalten werden, von denen wir seit über zwei Wochen nichts mehr wissen", sagte Antonella Agliana, Schwester eines der Entführten. Antonella Agliana hatte bereits vor drei Wochen in einem von Al Jazeera gesendeten Video für die Befreiung der drei Italiener plädiert.

Die Regierung Berlusconi scheint mit der Initiative der Familien nicht einverstanden zu sein und forderte sie zu Geduld auf. Insgesamt waren am 12. April vier Italiener, allesamt Mitarbeiter einer US-Sicherheitsfirma, im Irak verschleppt worden. Eine Geisel wurde zwei Tage später von den Kidnappern erschossen.

Die Entführer der drei italienischen Geiseln im Irak hatten der Regierung in Rom vor zwei Wochen neue Bedingungen zur Befreiung der Italiener gestellt. Die Geiselnehmer hätten darin erklärt, ihren Gefangenen nichts tun zu wollen, wenn die italienische Regierung sich für die Freilassung politischer Gefangener in zwei Ortschaften in den Kurdengebieten im Nordirak einsetze, berichtet der arabische TV-Sender Al Jazeera. Die Echtheit der Botschaft konnte zunächst nicht überprüft werden.

Die Entführer hatten mit der Ermordung ihrer Geiseln gedroht, sollten die Menschen in Italien nicht zu Massenprotesten gegen die Irak-Politik ihrer Regierung auf die Straße gehen. Mehrere tausend Menschen waren vor zwei Wochen einem Aufruf der Angehörigen der Geiseln gefolgt und hatten in Rom für deren Freilassung demonstriert.

11.5.2004 09:25