Gaza-Stadt: Israel startet neue Militäroffensive mit Luftangriffen
- Ägypten vermittelt Übergabe von geschändeten Toten
- Bush will Dialog mit Palästinensern erweitern
Bei einer massiven israelischen Militäraktion in Gaza sind mindestens vier Palästinenser getötet und 27 weitere verletzt worden. Drei der Toten fielen Luftangriffen zum Opfer. Kampfhubschrauber feuerten innerhalb von zwei Stunden zwei Raketen auf den Stadtteil Seitun ab, wo am Vortag sechs israelische Soldaten und acht Palästinenser schweren Gefechten zum Opfer gefallen waren. Die heftigen Kämpfe setzten sich nahtlos fort. Ziel der Luftangriffe war nach Angaben der israelischen Streitkräfte eine Gruppe von Palästinensern, die Sprengsätze auslegten.
Die erste Rakete schlug in das Haus eines bereits vor mehreren Monaten getöteten Hamas-Aktivisten ein. Unter den Verletzten war nach Krankenhausangaben auch dessen Vater. Drei laute Explosionen waren in der Stadt zu hören. Die israelischen Streitkräfte waren am frühen Morgen mit Panzern in Seitun eingerückt und riegelten Teile von Gaza-Stadt ab, um dort nach den sterblichen Überresten der sechs am Dienstag getöteten Soldaten zu suchen. Sie stürmten zahlreiche Geschäfte und Wohnhäuser.
Nach einer Sondersitzung des Sicherheitskabinetts hatte Israel erklärt, dass die Streitkräfte so lange in Gaza bleiben würden, bis die Leichen geborgen seien. Die Soldaten waren bei einem Anschlag auf einen Schützenpanzer getötet worden, anschließend hatten palästinensische Kämpfer Trümmerstücke des Panzers und Leichenteile vorgezeigt. Die radikalen Gruppierungen "Islamischer Heiliger Krieg" und Al-Aksa-Märtyrerbrigaden boten Israel Verhandlungen über die Übergabe der Leichen an. Der israelische Generalstabschef Moshe Yaalon wies dies zurück und kündigte ein entschiedenes Vorgehen gegen die Verantwortlichen an. Bei dem israelischen Truppenvorstoß nach Gaza waren auch mehr als 120 Palästinenser verletzt worden.
Ägypten vermittelt bei geschändeten Soldatenleichen
Ägyptische Diplomaten und Vertreter der palästinensischen Sicherheitskräfte haben Verhandlungen mit dem "Islamischen Heiligen Krieg" begonnen, um diese zur Herausgabe der Leichen der israelischen Soldaten zu bewegen. Die Verhandlungen würden in den Palästinensergebieten und im Ausland geführt, sagte ein Palästinenservertreter. Im Gegenzug solle die israelische Armee aus dem Viertel Seitun in Gaza abziehen.
US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice trifft kommende Woche in Berlin mit dem palästinensischen Ministerpräsidenten Ahmed Korei zusammen. Das Gespräch werde voraussichtlich 17. Mai stattfinden, verlautete aus Regierungskreisen in Berlin. Im Mittelpunkt stehe die gesamte Palette der Nahost-Themen. Der deutsche Außenminister Joschka Fischer bereitete sich zum Abschluss seiner USA-Reise auf ein Treffen mit Rice vor. Im Weißen Haus geht es dabei vor allem um die Lage im Irak.
Korei erhält Brief von Bush
Rice soll Korei einen Brief von US-Präsident George W. Bush überreichen. Darin soll die Absichtserklärung der USA enthalten sein, den Dialog mit den Palästinensern zu erweitern und israelisch-palästinensischen Verhandlungen nicht vorzugreifen. Bush hatte nach seinem Treffen mit dem jordanischen König Abdullah II. im Weißen Haus betont, die Konfliktfragen müssten auf der Basis der UNO-Resolutionen von 1967 und 1973 gelöst werden, die den Rückzug Israels aus den besetzten Gebieten fordern.
Bush rückte von seiner Unterstützung für den einseitigen Trennungsplan des israelischen Regierungschefs Ariel Sharon ab, der die Räumung des Gaza-Streifens bei gleichzeitiger Annexion der großen Siedlungsblöcke im Westjordanland zum Inhalt hat und inzwischen von Sharons eigener Likud-Partei abgelehnt worden ist. (apa/red)
