Montag, 10. Mai 2004

Generalmajor Taguba zur Folter im Irak: "Die Armee-Führung hat versagt!"

  • Ermittler zeigt vor US-Kongress schonunglos Fehler auf
  • Nachlesen: Die bislang geheime Akte im Detail!

"Die Führung der US-Armee hat versagt!" Das ist das vernichtende Urteil jenes Ermittlers, der den Folterskandal im Militärgefängnis Abu Ghraib bei Bagdad untersucht hat! Der amerikanische Generalmajor Antonio Taguba sagte am Dienstag bei einer Anhörung im Kongress in Washington aus. Er hatte die Misshandlungsvorwürfe Anfang des Jahres untersucht und in einem vertraulichen Bericht Anfang April dokumentiert.

In dem 53-seitigen Bericht schildert Taguba detailliert Folter und Misshandlungen in dem westlich von Bagdad gelegenen Gefängnis. Demnach gab es zwischen Oktober und Dezember 2003 eine ganze Reihe "sadistischer, krasser und mutwilliger krimineller Misshandlungen" in der Anstalt.

Taguba prangerte am Dienstag bei seiner Anhörung mangelnde Disziplin, fehlende Ausbildung und nicht vorhandene Aufsicht der Soldaten und Militärpolizisten an.

Taguba: Keine systematischen Misshandlungen
Taguba sagte weiter, dass die irakischen Gefangenen nicht systematisch misshandelt worden seien. "Wir haben keine Beweise für Befehle gefunden, die die Soldaten anwiesen zu tun, was sie getan haben", sagte der Generalmajor bei der Anhörung im Kongress in Washington. Vielmehr seien die aufgedeckten Fälle von Misshandlungen auf ein Versagen der Führungsstrukturen zurückzuführen, fügte er hinzu.

Die Gefangenen seien zudem mehrfach in andere Gefängnisse gebracht worden, um Untersuchungen des Internationalen Komitee vom Roten Kreuzes zu umgehen. Das IKRK hatte wegen der Misshandlungen in Washington mehrfach Alarm geschlagen, ohne die Vorwürfe jedoch öffentlich zu machen.

Senator widerspricht: "Das riecht nach organisierter Arbeit"
Anders als Taguba äußerte der demokratische Senator Carl Levin den Verdacht, dass die Misshandlungen System hatten. "Das riecht nach organisierter Arbeit und methodischer Vorbereitung von Verhören", sagte Levin. "Die Hundeleine, die Gefangenen umgelegt war, die Hunde und die Kameras sind ja nicht aus dem Himmel gefallen." Senator James Inhofe zeigte wenig Verständnis für die große Untersuchung des Misshandlungsskandals. Zu jedem Foto misshandelter irakischer Gefangener sollten Bilder von Saddam Husseins Massengräbern und misshandelten US-Soldaten veröffentlicht werden, verlangte er.

Der Vorsitzende des Streitkräfteausschusses, John Warner, äußerte sich anders. "Der Schaden für den Ruf und die Glaubwürdigkeit unserer Nation und unserer Armee könnte die großen Fortschritte untergraben, die erreicht worden sind", sagte er. Der Abteilungsleiter für Geheimdienstangelegenheiten im Verteidigungsministerium, Stephen Cambone, räumte ein, dass die Genfer Konventionen im Irak verletzt wurden.

(apa/red)

10.5.2004 22:20