Folter-Skandal: Britischer Verteidigungs-Minister zweifelt Echtheit der Fotos an
- Hoon weist Vorwürfe gegen britische Regierung zurück
- Neue Bilder sollen noch grausamere Szenen zeigen
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Mit Spannung wurde die Aussage des britischen Verteidigungsministers vorm Londoner Unterhaus erwartet. Dabei zweifelte Geoff Hoon die Echtheit einiger Fotos an, die angeblich die Misshandlung eines irakischen Gefangenen durch britische Soldaten zeigen. Zwei andere Misshandlungsvorwürfe könnten dagegen schon bald zu einer strafrechtlichen Verfolgung führen. "Ich kann heute bestätigen, dass die Untersuchungen in zwei Fällen so weit vorangeschritten sind, dass die Entscheidung über eine Strafverfolgung bevorsteht", betonte der Minister.
Hoon wies Vorwürfe gegen die britische Regierung zurück. Alle ihm bekannt gewordenen Fälle, in denen irakische Gefangene möglicherweise misshandelt worden seien, wurden oder werden untersucht. Der britische Verteidigungsminister entschuldigte sich wie zuvor bereits Premierminister Tony Blair bei allen Irakern, die nachweislich misshandelt worden seien.
33 Beschwerden seien eingegangen, 15 sind davon entkräftet worden. "Jedem Übeltäter wird das Handwerk gelegt." Im Bericht des IKRK seien drei Punkte aufgeführt worden, so Hoon: Der Tod des 28 Jahre alten Baha Mussa im September, die Praxis, die Köpfe der Gefangenen mit Plastiktüten zu verhüllen sowie der Vorwurf eines Gefangenen, sein Wagen sei gestohlen worden. Der Tod Mussas sei unmittelbar untersucht und auch im Parlament erörtert worden. Die Verhüllung der Gefangenen sei im September eingestellt worden.
Hoon sagte weiter, es gebe "starke Hinweise" darauf, dass ein Fahrzeug, das auf den angeblichen Folterfotos mit britischen Soldaten zu sehen ist, zur fraglichen Zeit gar nicht in Irak gewesen sei. Dies hätten ihm die Sonderermittler der Militärpolizei gesagt. Verschiedene Fachleute hatten die Echtheit der Bilder bereits nach ihrem Erscheinen angezweifelt. Die britische Tageszeitung "Daily Mirror" hatte am 1. Mai Fotos veröffentlicht, auf denen britische Soldaten angeblich bei der Misshandlung irakischer Gefangener zu sehen waren.
Blair trotz Entschuldigung in Großbritannien unter Druck
Vertreter aller britischen Parteien hatten Auskunft darüber gefordert, was die Regierung von Premierminister Blair seit Bekanntwerden der Folter- und Misshandlungsvorwürfe unternommen hat. Am Freitag hatte ein Bericht des Roten Kreuzes auch Fragen zum Verhalten britischer Soldaten im Irak aufgeworfen.
Dem Bericht zufolge waren für die meisten Misshandlungen von Gefangenen allerdings US-Soldaten verantwortlich. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) sandte aber auch einen Bericht über das Verhalten britischer Soldaten nach London. Blair entschuldigte sich am Montag erneut für Misshandlungen durch britische Soldaten. Er sieht sich auch aus den eigenen Reihen mit Rücktrittsforderungen konfrontiert.
(apa,red)
