Montag, 10. Mai 2004

Parlamentswahlen in Indien zu Ende: Gewalt forderte mindestens 36 Todesopfer

  • Umfragen: Regierungskoalition führt, verpasst aber wahrscheinlich absolute Mehrheit

Überschattet von Gewalt ist nach drei Wochen die Wahl zum indischen Parlament zu Ende gegangen. Erste Fernseh-Befragungen sahen nach den fünf Wahltagen die Regierungskoalition, die Nationale Demokratische Allianz (NDA) unter Ministerpräsident Atal Behari Vajpayee, in Führung. Ihr wurden 264 bis 279 Mandate in dem 545 zählenden Parlament in Neu-Delhi vorausgesagt.

Den meisten Wählerbefragungen zufolge wird die NDA allerdings nicht die absolute Mehrheit der 545 Parlamentssitze erringen können. Das Bündnis unter Oppositionsführerin Sonia Gandhi, der Vorsitzenden der traditionsreichen Kongresspartei, hatte in Umfragen aufgeholt.

Trotz strengster Sicherheitsvorkehrungen starben mindestens vier Menschen bei Übergriffen am Montag, dem letzten Wahltag. Die Zahl der Toten an den insgesamt fünf Wahltagen in der größten Demokratie der Welt stieg damit auf mindestens 36. Zusammenstöße und Angriffe auf Wahllokale wurden unter anderem aus den Unionsstaaten Westbengalen, Punjab sowie Jammu und Kaschmir gemeldet. Bei der Wahl 1999 waren 100 Menschen ums Leben gekommen. Am Montag feuerten Separatisten im Unionsstaat Jammu-Kaschmir eine Granate auf ein Wahllokal, die jedoch schon in der Luft explodierte.

Die Wahlbeteiligung an den ersten vier Wahltagen lag im Schnitt bei rund 55 Prozent. Aus Sicherheitsgründen und wegen des großen logistischen Aufwands fand die Wahl, die am 20. April begonnen hatte, in mehreren Runden statt. Erstmals wählten die Inder ohne Stimmzettel. Statt dessen kamen rund eine Million elektronische Stimmenzählmaschinen zum Einsatz. Das Endergebnis soll am Donnerstag bekannt gegeben werden.

(apa/red)

10.5.2004 14:06