Mittwoch, 12. Mai 2004

Tiroler Landtag beschließt: Gletscher-Skigebiete werden ausgebaut

  • Landtag beschließt Änderung des Naturschutzgesetzes

In einer mehrstündigen Debatte wurde Mittwoch im Tiroler Landtag eine Änderung des Naturschutzgesetzes beschlossen Konkret ging es dabei um geplante Skigebieteserweiterungen in den Gletscherregionen des Pitztalss und des Kaunertales. ÖVP (20 Mandate) und SPÖ (9 Mandate) setzten die Änderung durch, die fünf Abgeordneten der Grünen waren dagegen. Insgesamt gehören 36 Mandatare dem Landtag an.

Naturschutzlandesrätin Anna Hosp (V) hatte eingangs betont, dass Nutzungs- und Schutzinteressen in einen maßvollen Ausgleich zu setzen seien. Aufgabe der Politik sei es, gleiche Chancen für die Regionen zu ermöglichen. Der Gletscherschutz ist laut Hosp mit dem Gesetz "massiv" auf die Moränen ausgeweitet worden. Für das Pitz- und Kaunertal ist nach Ansicht der Naturschutzlandesrätin Handlungsbedarf gegeben, weil es in diesen Talschaften keine anderen Möglichkeiten gebe, um Arbeitsplätze zu sichern. Eine substanzielle Aufweichung des Gletscherschutzes werde es nicht geben, stellte Hosp klar. Sie verwies auf Salzburg und Kärnten, wo es ebenfalls Bestimmungen für Erschließungen gebe. Damit wies Hosp den Vorwurf der Grünen, dass es sich um einen Tabubruch handle, zurück.

Von einer "Adaptierung" und keinen neuen großen Gletschererschließung sprach Landeshauptmann Herwig van Staa (V). Wenn das Investitionskapital seinerzeit vorhanden gewesen wäre, hätte man diese Adaptierungen beiden Tälern schon früher zugestanden. Im Mittelpunkt der Betrachtungen müsse der Mensch stehen, sagte Van Staa. Dafür würde man in viele Dinge eingreifen. "Der Naturschutz muss sich dem Lebensraumschutz in unserem Land unterordnen", verteidigte er die Novelle. In Richtung der Grünen meinte der Landeshauptmann, dass diese "wieder den Teufel an die Wand malen" und Angst verbreiten würden. Die Partei solle über den Tellerrand hinausschauen, sprach er unter anderem die Entwicklung der Berggebiete Italiens mit Ausnahme Südtirols an.

SPÖ-Vorsitzender, LHStv. Hannes Gschwentner stellte sich hinter seinen Regierungspartner ÖVP. Der Entscheidung sei intern in der SPÖ ein großer Diskussionsprozess vorangegangen. Gschwentner hielt fest, dass der Gletscherschutz entgegen der Meinung der Grünen nicht aufgegeben werde. Statt 4,5 Prozent der gesamten Gletscherfläche würden nun 4,7 Prozent nutzbar gemacht. Den Grünen warf er vor, die Uninformiertheit der Menschen für Stimmungsmache auszunützen. Die Menschen müssten vor Ort die Möglichkeit haben, zu arbeiten. Die Bewohner sollten laut Gschwentner nicht auf Grund der fehlenden Entwicklungschance abwandern müssen.

"Die paar Lifte bringen vielleicht einige Skifahrer mehr, aber es löst das Grundproblem nicht", war der Klubobmann der Grünen, LAbg. Georg Willi, überzeugt. In Zeiten, wo die Gletscher immer weniger würden, sollte der Gletscherschutz besonders betont werden, meinte Willi. Dadurch könnte der entsprechende Wert für Touristen geschaffen werden. Der Grünen-Chef kritisierte darüber hinaus, dass der Landesumweltanwalt kein Beschwerderecht beim Höchstgericht erhalten habe. Als einen "tiefschwarzen Tag für den Naturschutz" bezeichnete Grünen-LAbg. Maria Scheiber den heutigen Mittwoch. Grünen-LAbg. Uschi Schwarzl befürchtete, dass auf Grund des Gleichheitsgrundsatzes "natürlich in Bälde andere (Regionen; Anm.) vor der Tür stehen werden", und Ausbaupläne anmelden würden.
(apa/red)

12.5.2004 20:45