Mittwoch, 12. Mai 2004

Schuldspruch in Graz: Eltern gaben ihren neun und zehn Jahre alten Buben Drogen

  • 30 und 18 Monate Haft für Drogen-Pärchen
  • Kinder konsumierten Marihuana, Heroin und Kokain

Wegen Vergehen nach dem Suchtmittelgesetz und Quälens und Vernachlässigens Unmündiger stand ein junges Grazer Ehepaar vor dem Straflandesgericht (Vorsitz: Helmut Wlasak). Die Eltern hatten den beiden damals neun und zehn Jahre alten Buben erlaubt, Marihuana, Kokain und Heroin zu "sniffen" und zu rauchen. Das Urteil, 18 Monate für die Mutter und 30 Monate für den Stiefvater, ist nicht rechtskräftig. Die Angeklagten erbaten sich drei Tage Bedenkzeit.

Der Staatsanwalt sprach in seinem Eröffnungsplädoyer von einem "ungewöhnlichen Verfahren" und von einem "gravierenden und verwerflichen Verhalten": Die Eltern gaben die Drogen nicht irgendeinem Abnehmer, sondern ihren eigenen Kindern. Die Buben seien bei den "Einkaufsfahrten" dabei gewesen. Er sprach sich für eine Haftstrafe aus, um "diesen Treiben Einhalt zu bieten".

Der 31 Jahre alte Angeklagte, der bereits sieben Vorstrafen aufzuweisen hat, konsumiert seit seinem 17. Lebensjahr "weiche" Drogen. "Es hat mir irgendwie getaugt. Es war ein angenehmes klasses Gefühl", sagte der gelernte Schlosser vor Gericht. Seine Frau, die er Anfang 2002 geheiratet hatte, begann ihre Drogenkarriere, weil sie überbelastet gewesen sei und sich in einer "seelischen Ausnahmesituation" befunden habe. "Da haben wir also wiedermal die medizinische Variante", meinte der Richter sarkastisch.

Kinder des Drogen-Pärchens snifften Drogen!
Das "Gift", mittlerweile auch Heroin, bezog das Ehepaar von verschiedenen Freunden. Finanziert wurde der Drogenrausch durch eine Erbschaft, die der 31-Jährige gemacht hatte. Beide bestanden aber darauf, entgegen der Anklage niemals Heroin verkauft zu haben. Auf die Frage des Richters, warum sie ihrem zehnjährigen Sohn einen Joint zu rauchen gab, meinte die 30-jährige Angeklagte: "Ich kenne den Buben, er hätte ihn sicher aus dem Mist genommen."

Der Richter:" Das ist ein Wahnsinn." Einmal habe sie ihrem Sohn auch erlaubt, "ein paar Brösel" vom Tisch mit einem Strohhalm zu "sniffen". Der Ehemann - der dritte der Frau - gab zwar zu, von den Vorgängen gewusst zu haben, wollte aber nicht aktiv beteiligt gewesen sein.

Heroin zum Probieren
Bei den Einkaufsfahrten soll die Grazerin, die inzwischen insgesamt sechs Kinder hat, auch ihrem neunjährigen Sohn aus einer früheren Ehe immer wieder Heroin zum Probieren gegeben haben. Körperlich bewirkte dieser Missbrauch laut Sachverständigem Erbrechen, Schwindel und Apathie. Der Mediziner bescheinigte den Kindern auch eine "beträchtliche Schädigung der geistigen Entwicklung". Die mittel- und langfristigen Folgen seien noch nicht abschätzbar.

Die 30-Jährige bat um eine Therapie. Seit sie den viertägigen Entzug ihres drei Wochen alten Babys im Gefängnis mitansehen musste, will sie "nie wieder etwas angreifen". Das Gericht verurteilte das Ehepaar zu 18 und 30 Monaten Haft. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. (apa/red)

12.5.2004 09:55