Dienstag, 4. Mai 2004

Sonne: Die besten Tipps, damit Sie gesund durch den Sommer kommen!

  • Sonnenfahrplan für die optimale Vorbereitung!
  • PLUS: Die besten Sonnen-Pflegeprodukte!

Der Grat zwischen Sehnsucht und Angst ist ein schmaler: So überwältigend die Freude über die ersten warmen Sonnentage ist, so vehement nagt das schlechte Gewissen am gesunden Hausverstand. Wie viel der heiß ersehnten Lichtstrahlen darf man sich ohne größere Bedenken gönnen?

Nun: Die Verteufelung der Sonne halten Experten für ebenso unangebracht wie hemmungslosen Bräunungskult. Schließlich kurbelt UV-Licht nicht nur die Produktion der Glückshormone an, sondern stärkt, in Maßen genossen, das Immunsystem, fördert die Bildung von lebenswichtigem Vitamin D (gut für die Knochen!) und soll sich sogar positiv auf den Cholesteringehalt im Blut auswirken. Um die positiven Effekte auszuschöpfen, reichen jedoch zehn bis fünfzehn Minuten Sonne auf Gesicht und Arme pro Tag.

Schattenseiten. Doch in dem Bestreben, den Teint in attraktives Bronze zu hüllen - einer deutschen Umfrage zufolge legen heute mehr Frauen denn je Wert auf "gesunde Bräune" -, schießt das Gros der Sonnenhungrigen weit über das vernünftige Maß hinaus. Das hat gravierende Folgen. Sie reichen von schmerzhaften Sonnenbränden und allergischen Reaktionen über vorzeitige Hautalterung bis hin zu Hautkrebs. Im durch zahlreiche Studien bestens untersuchten Amerika verbuchten Dermatologen allein im Jahr 2001 eine Million neue Hautkrebsfälle. "Ein Resultat des Bräunungskults der 50er Jahre", wie die Wiener Dermatologin Beatrix Volc-Platzer die erschreckenden Zahlen kommentiert.

Nicht minder alarmierend sind die Statistiken hierzulande: In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Hautkrebspatienten verdoppelt. Pro Jahr erkranken 25.000 Österreicher am so genannten Basaliom, der häufigsten Hautkrebsart, die zu 80 Prozent im Gesichts-bereich auftritt. "Bei Frauen ist Hautkrebs die zweithäufigste Tumorerkrankung nach Brustkrebs", resümiert Expertin Volc-Platzer. Ihr Schutzplan. Die Frage lautet also nicht: "Sonne - ja oder nein?", sondern: "Wie kann man die Sonne künftig am besten genießen?"

Sonnenfahrplan für gesundes Sonnenbaden
WOMAN hat daher für Sie einen Sonnenfahrplan erstellt - von der optimalen Vorbereitung bis zum richtigen Verhalten in der Sonne. Grundsätzlich bietet eine Basispigmentierung den besten Schutz vor Sonnenbrand. Vom Vorbräunen im Solarium raten Experten jedoch ab: "Die schützende Lichtschwiele wird dort nicht ausreichend erzeugt. Und die künstliche UV-Belastung addiert sich zu jener in der Sonne", meint Hautarzt Herbert Hönigsmann von der Wiener Universitätsklinik. "Nur für Patienten mit Sonnenallergie kann das Solarium zur Gewöhnung hilfreich sein", ergänzt Kollegin Volc-Platzer.

Ebenso wenig sind Selbstbräuner geeignet, um die Haut vor Sonnenbrand zu schützen. Das Gleiche gilt für Betakarotin-Kapseln: keine Schutzwirkung, dafür droht bei längerer Einnahme eine unnatürliche Orangefärbung der Haut.

Neue Pille. Nun gibt es aber - erstmals in Österreich - tatsächlich einen Sonnenschutz zum Einnehmen: Die "Heliocare"-Kapseln (ab sofort in Apotheken erhältlich) bestehen aus Extrakten einer südamerikanischen Heilpflanze und sollen erwiesenermaßen vor Sonnenbrand schützen. Die Kapseln bieten einen Basisschutz, der einem Lichtschutzfaktor (LSF) 3 entspricht, sowie einen Schutz vor dem schädigenden Einfluss des UV-Lichts auf die Erbsubstanz - und somit einen Schutz vor Hautkrebs. Die Tabletten bewirken eine ganz leichte Bräunung der Haut, "die sich aufgrund des Betakarotin-Gehalts bei längerer Einnahme leicht gelblich verfärben kann", so Dermatologe Hönigsmann. Empfohlen wird die Einnahme von einer Kapsel pro Tag während des ganzen Jahres, um lichtbedingter Hautalterung vorzubeugen. Bei intensiver Sonnenexposition soll die Dosis auf zwei Stück pro Tag erhöht werden. Freilich: Die Pillen sind kein Ersatz für UV-Schutzmittel.

"Die beste Vorbereitung heißt immer noch: Die Haut langsam an die Sonne gewöhnen - und zwar selbstverständlich mit guten Sonnenschutzcremes, deren Lichtschutzfaktor dem jeweiligen Hauttyp entspricht", erklärt Hönigsmann.

Vier Hauttypen. Dermatologen haben jedem der wichtigsten vier Hauttypen eine so genannte "Eigenschutzzeit" zugeschrieben: Diese gibt an, wie lange jemand ungeschützt in der Sonne bleiben kann, ohne der Haut zu schaden. Während etwa eine extrem blasse Rot-haarige (Typ 1) ohne UV-Schutz innerhalb kürzester Zeit einen Sonnenbrand erwischt, verträgt der dunkle Mittelmeer-Teint (Typ 4) ungefiltertes Sonnenlicht bis zu vierzig Minuten lang. Der Lichtschutzfaktor gibt nun den Multiplikator an, um den das Sonnenschutzmittel die Eigenschutzzeit verlängert. Zum Beispiel: Ein heller Typ mit 10 Minuten Eigenschutzzeit könnte mit einem LSF 20 etwa drei Stunden (10 x 20 = 200 Minuten) unbeschadet die Sonne genießen.

Zumindest in der Theorie. Denn: Viele Hautärzte kritisieren, dass der Lichtschutzfaktor von Sonnencremes oft unter unrealistischen Bedingungen bestimmt wird. "Am Strand herrschen andere Bedingungen als im Testlabor", meint Expertin Volc-Platzer. So etwa verwendet der durchschnittliche Solar-Anbeter meist nur halb so viel Sonnenschutzmittel wie die Testperson im Labor. Die Hautärztin empfiehlt daher, "den angegebenen Lichtschutzfaktor nie voll auszuschöpfen". Wiederholtes Nachcremen verlängert zwar die Wirkung nicht, ist aber schon allein deshalb notwendig, da Sonnenmilch durch Schwitzen oder Baden abgetragen wird - auch wasserfeste. Mit dem Zertifikat "wasserfest" dürfen sich nämlich alle Cremes schmücken, die nach zwei Tauchgängen noch die Hälfte des angegebenen Schutzes bieten.

Ideale Creme. Ob Sie sich für Gel, Spray, Öl oder Milch entscheiden, ist Geschmackssache. Sonnenöl kommt jedoch nur für unempfindliche, bereits gebräunte Haut infrage. Ihr Sonnenschutz sollte gut verträglich, schweiß- und wasserfest sein und die Haut pflegen. Und: Er sollte nicht nur UVB-Strahlen (sie sind verantwortlich für den Sonnenbrand) filtern, sondern auch UVA-Strahlen.

Letztere wurden bislang unterschätzt, da sie nicht unmittelbar zu Hautrötungen führen, sondern zunächst unsichtbare Langzeitschäden verursachen: UVA-Strahlen dringen bis tief unter die Haut, zerstören dort die elastischen Fasern und verändern das Erbgut. Anders gesagt: UVA-Strahlung macht alt.

Mehr dazu lesen Sie im neuen WOMAN 9/2004

4.5.2004 09:39