Mittwoch, 5. Mai 2004

Der Kampf um die VA Tech

  • Kovats kontra ÖIAG: Industrie- Rambo putscht gegen Staatsholding.
  • Übernahmeschlacht: Krieg Manager vs. Kovats eskaliert total.

VA-Tech-Chef im NEWS-Exklusivinterview: „Das wird brutal wie bei der Voest“

Das Chaos regiert derzeit den Linzer Technologiekonzern VA Tech. Die Zukunft des drittgrößten Industriekonzerns des Landes mit rund vier Milliarden Euro Umsatz und 17.500 Beschäftigten ist heute ungewisser als je zuvor. Der Grund: Zwischen den beiden Großaktionären, der Staatsholding ÖIAG mit 15 Prozent und der Gruppe um den Industriellen Mirko Kovats mit 12,6 Prozent, ist im Zuge der jüngsten Hauptversammlung des börsennotierten Betriebes am vergangenen Donnerstag der offene Machtkampf ausgebrochen. Jetzt gerät vor allem die Kovats-Gruppe stark unter Druck. Jetzt macht auch der ÖGB mit Demonstrationen (Start diesen Freitag) gegen den „Industrie-Rambo“ mobil.

Verhinderter Rückzug. Dabei hatte die Zukunft der VA Tech gerade noch so richtig rosig ausgesehen: frisches Geld durch eine Kapitalerhöhung im Ausmaß von bis zu 300 Millionen Euro sowie die Rückkehr in die Gewinnzone und der Rückzug des ungeliebten Eigentümers Staat. Es kam aber anders. Denn die Kapitalerhöhung wurde nun völlig überraschend maßgeblich durch die Kovats-Gruppe verhindert. Auch das Verstaatlichten-Kapitel wird vorerst noch nicht beendet, denn die ÖIAG kann sich nun nicht so rasch zurückziehen wie ursprünglich geplant. Einzig die Rückkehr in die schwarzen Zahlen scheint trotz der Turbulenzen gesichert.

Fragwürdiger Investor. Die Politik hat mit Kovats bereits den Schuldigen des derzeitigen Chaos ausgemacht. Denn obwohl Kovats als Aufsichtsrat der VA Tech für die Kapitalerhöhung gestimmt hat, lehnte seine Gruppe die Kapitalmaßnahme bei der Hauptversammlung ab. Sogar Finanzminister Karl-Heinz Grasser sparte nicht mit Kritik. Oberösterreichs SP-Chef Erich Haider kritisiert Kovats gar als „äußerst fragwürdigen Investor“ und fordert nun, dass das Land Oberösterreich Aktien der VA Tech erwerben soll.

Kovats will bleiben. Die Kovats-Gruppe selbst bricht in NEWS nun erstmals ihr Schweigen und argumentiert die Vorgangsweise: „Hätten wir mit der ÖIAG für eine Kapitalerhöhung gestimmt, wäre dadurch die Pflichtübernahme der gesamten VA Tech um über 600 Millionen Euro ausgelöst worden“, erklärt Investmentbanker Ronny Pecik, Aufsichtsratsvorsitzender und Hälfteeigentümer der Victory Industriebeteiligung AG, die jene 12,6 Prozent der Kovats-Gruppe an der VA Tech hält. Laut Pecik hat der Chef der Übernahmekommission, Peter Doralt, schriftlich erklärt, dass bei gemeinsamem Abstimmungsverhalten von ÖIAG und Kovats-Gruppe ein Übernahmeangebot an alle Aktionäre gestellt werden müsse. „Wir waren somit zur Ablehnung der Kapitalerhöhung gezwungen“, so Pecik.

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PLUS: Der Aufstieg des Mirko Kovats
PLUS: „Das wird Dimensionen wie bei der Voest annehmen“

5.5.2004 15:58