Mittwoch, 5. Mai 2004

EU: Das Sauberkeits-Rennen – Sensationsstart Martins

  • EU-Spesenskandal wird zum EU-Wahlkampf-Schlager

Das wäre ein kleines politisches Erdbeben: Nach der ersten, Anfang dieser Woche von Gallup für NEWS durchgeführten Umfrage fünfeinhalb Wochen vor dem Wahlsonntag könnte der selbst ernannte „EU-Rebell“ Hans-Peter Martin – bei der vorhersehbaren niedrigen Wahlbeteiligung – mit 15 Prozent in das Europäische Parlament einziehen.

Ein in der Geschichte österreichischer Wahlen völlig neues Phänomen, dass eine Liste „aus dem Stand“ ein solches Ergebnis erzielt. Auch Gallup-Chef Fritz Karmasin nennt dieses Ergebnis „sehr überraschend, ein Ergebnis der hohen Aktualität seines Themas“. Die Stimmen für Martin gingen in erster Linie zu Lasten der FPÖ, die von 23,4 Prozent bei der letzten Wahl 1999 auf neun Prozent abstürzen könnte. Dazu kommt: Jeder Dritte kann sich prinzipiell vorstellen, Martin die Stimme zu geben, auch wenn es auch für OGM-Chef Bachmayer unvorstellbar ist, dass er dieses Reservoir ausschöpfen kann.

So gehen sie ins Rennen. So ist die Ausgangslage zum „Nennschluss“ für die Europawahl an diesem Freitag:

  • Die SPÖ, die 1999 mit Hans-Peter Martin als Spitzenkandidaten und 31,7 Prozent der Stimmen als Erste durchs Ziel ging, hat derzeit 33 Prozent Zustimmung. Es wäre sensationell, würde sie mit ihrem einstigen Mitstreiter Martin als Konkurrenten noch zulegen.

  • Die ÖVP muss mit Einbußen rechnen: Von 30,7 Prozent vor fünf Jahren käme sie, wenn am kommenden Sonntag gewählt würde, auf 29 Prozent.

  • Drittstärkster ist im Augenblick – nach unzähligen Medienauftritten und mehreren „Krone“-Aufmachern zu seinem bisher einzigen Thema „Spesensumpf“ – Martin, der mit einer eigenen Liste antritt und 15 Prozent Zuspruch hat.

  •  Knapp dahinter die Grünen, die 1999 mit 9,3 Prozent ihr bestes Ergebnis erreichten und nun auf 14 Prozent hochschnellen könnten – wenn sie diesmal ihre traditionell guten Umfragedaten ins Ziel bringen.

  • Haushohe Verlierer sind jedenfalls am Beginn des Wahlkampfes die Freiheitlichen. Von 23,4 Prozent sind ihnen nur noch neun Prozent geblieben. Ob ihr frisch gekürtes Spitzentrio Hans Kronberger, Franz Großmann (Ex-SPÖ-Sekretär in Kärnten und mit Martin der zweite SPÖ-„Dissident“) und Rechtsideologe Andreas Mölzer den Karren noch hochziehen kann, ist ungewiss.

    Gewinner & Verlierer. Die Daten der Gallup-Sonntagsfrage unter 400 Befragten spiegeln das derzeitige Politklima wider: 56 Prozent der Befragten meinen, dass am Wahlabend die SPÖ, die sich zuletzt über eine Reihe erfolgreich geschlagener Wahlen freuen durfte, als Gewinner dastehen wird, 39 Prozent erwarten das von den Grünen, 29 Prozent von Martin. Dagegen glauben 50 Prozent, dass die ÖVP, und 54 Prozent, dass die FPÖ zu den Verlierern zählen wird.

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    5.5.2004 15:35