Europäische Zentralbank lässt Leitzins unverändert bei 2 Prozent
- Entscheidung des EZB-Rates fiel wie erwartet aus
- Wahrscheinlich bis nächstes Jahr keine Senkung
Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), die Leitzinsen unverändert zu lassen, ist an den Finanzmärkten erwartet worden. Der für die Refinanzierung der Geschäftsbanken maßgebliche Schlüsselzins betrage weiterhin 2,00 Prozent, teilte die EZB am Donnerstag nach ihrer Ratssitzung in Helsinki mit. Die Bank of England hingegen hat ihre Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte auf 4,25 Prozent erhöht.
EZB-Präsident Jean-Claude Trichet wird den Beschluss ab 14.30 Uhr MESZ vor der Presse erläutern. An den Finanzmärkten war die Entscheidung erwartet worden, nachdem die Währungshüter in den vergangenen Wochen keinerlei Neigung zu einer Zinsänderung zu erkennen gegeben hatten.
An den Finanzmärkten reagierten der Euro und die Rentenkurse nicht spürbar auf die Entscheidung. Der Deutsche Aktienindex Dax weitete seine Verluste etwas aus. "Wahrscheinlich haben manche insgeheim doch auf eine Zinssenkung der EZB spekuliert", sagte ein Händler.
Noch niedrigere Leitzinsen sind nach überwiegender Ansicht von Volkswirten nicht notwendig, da sich die Konjunktur wie von der EZB erwartet schrittweise erholt und die Teuerungsrate sich nahe dem von der Zentralbank erwünschten Niveau von knapp zwei Prozent bewegt. "Die Erholung entspricht den Erwartungen der EZB. Es gibt deshalb keinen Anlass, die Zinsen zu senken, zum die Inflationsraten zuletzt eher enttäuscht haben", sagte Michael Schubert, Volkswirt von der Commerzbank.
Die Exporteure im Euroraum profitieren vom Aufschwung der Weltwirtschaft, der vor allem von den USA ausgeht. Dort stehen die Zeichen auf Zinserhöhung, was die Marktzinsen global bereits nach oben getrieben hat. Die Bank of England erhöhte den Leitzins am Donnerstag zum dritten Mal seit November um 25 Basispunkte auf 4,25 Prozent.
Für eine erste Erhöhung nach dem Zinssenkungszyklus von Mai 2001 bis Juni 2003 ist es andererseits aber noch zu früh. Viele Volkswirte gehen davon aus, dass sich die EZB noch bis 2005 Zeit lassen wird, mit höheren Zinsen wachsende Inflationsgefahren einzudämmen. Noch immer rechneten in der jüngsten Reuters-Umfrage jedoch drei von zehn Analysten mit einer weiteren Zinssenkung, falls sich die Aussichten für die Wirtschaft verschlechtern sollten. So rechnet die Deutsche Bank mit enttäuschenden Konjunkturdaten in den kommenden Monaten. "Das gibt Raum für eine Zinssenkung", sagte Volkswirt Otmar Lang.
Trichet und andere Ratsmitglieder betonten zuletzt mehrfach, dass sie trotz widersprüchlicher Konjunkturdaten ihre Erwartung einer anhaltenden, wenn auch langsamen Konjunkturerholung bestätigt sehen. Sollte sich dies ändern, würde die EZB reagieren - denn die Zentralbank hält sich "alle Optionen offen", wie Trichet betont hatte. Kurz vor der April-Ratssitzung hatten noch besorgte Äußerungen der Währungshüter über die Konsumschwäche die Zinssenkungserwartungen angeheizt. Doch auf der anschließenden Pressekonferenz hatte Trichet kein Signal für eine bevorstehende Lockerung gegeben.
Seither mehrten sich zwar positive Konjunktursignale, doch der starke Anstieg des Ölpreises löste den hohen Euro-Kurs als Hauptrisikofaktor für die schleppende Erholung ab. Ein Barrel Öl kostet mit fast 37 Dollar inzwischen so viel wie seit dem Golf-Krieg 1990 nicht mehr. Dies bringt die EZB, die für ein stabiles Preisniveau zu sorgen hat, in eine Zwickmühle. Einerseits belastet teures Öl die Konjunktur, da Unternehmen und Verbraucher mehr Geld für Energie ausgeben müssen.
Andererseits steigt die Inflation. In der Industrie und im Dienstleistungssektor stiegen im April die Einkaufspreise, ein Liter Superbenzin kostete in Deutschland in dieser Woche mit 1,20 Euro je Liter so viel wie nie zuvor. Inzwischen fängt der Euro den Preisanstieg des in Dollar abgerechneten Öls nicht mehr so stark ab. Der Euro kostet derzeit gut 1,21 Dollar nach einem Rekordhoch von fast 1,30 Dollar im Februar. Im ersten Quartal hatte die Teuerungsrate wie von der EZB angestrebt etwas unter zwei Prozent gelegen, ehe sie im April wieder diese Schwelle erreichte.
Bank of England erhöht Leitzinsen
Angesichts der anziehenden Konjunktur in Großbritannien hat die Bank of England (BoE) am Donnerstag ihre Leitzinsen angehoben. Wie die Notenbank in London mitteilte, erhöhte sie den maßgeblichen Zinssatz um 0,25 Prozentpunkte auf 4,25 Prozent. Es ist die erste Zinsveränderung seit dem November vergangenen Jahres.
Auch die Europäische Zentralbank (EZB) sollte am Donnerstag über ihr Zinsniveau entscheiden. Experten erwarteten bei der auswärtigen Sitzung des EZB-Rates in Helsinki allerdings keine Veränderung des Zinsniveaus, das seit Juni vergangenen Jahres bei zwei Prozent liegt.(APA/red)
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