Donnerstag, 6. Mai 2004

Mirko Kovats erhebt heftige Vorwürfe gegen ÖIAG im Streit um die VA Tech

  • Investorengruppe will VA Tech-Anteile behalten
  • ÖIAG weist Vorwürfe des Industriellen zurück

Im Streit um den börsenotierten Technologiekonzern VA Tech hat die Investorengruppe um den Industriellen Mirko Kovats Mittwochabend schwere Vorwürfe gegen die Staatsholding ÖIAG erhoben. Die ÖIAG halte nur mehr 15 Prozent der Aktien an der VA Tech, verhalte sich jedoch "als wäre sie nach wie vor Alleinaktionär der Gesellschaft", meint Kovats in einem am Mittwochabend veröffentlichten Brief an ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis, in dem er Michaelis vorwirft, dass die ÖIAG die Kovats-Gruppe aus der VA Tech drängen wollte.

Die umstrittene Investorengruppe hatte vergangenen Donnerstag für heftige Aufregung gesorgt, nachdem sie in der VA Tech-Hauptversammlung gegen die Stimme der ÖIAG eine Kapitalerhöhung verhindert hatte. Kovats meint nun, die ÖIAG sei "an einer Kapitalerhöhung als Kapitalbeschaffungsmaßnahme nicht interessiert" gewesen, sondern habe vielmehr "durch die Beeinflussung der Zuteilung junger Aktien" die Kovats-Gruppe "einsperren bzw. loswerden" und stattdessen "opportunere Aktionäre in die VA Tech einschleusen" wollen.

Doch der Industrielle will sich nicht aus der VA Tech verdrängen lassen und meint im Brief klar: "Die ÖIAG ist ein Aktionär auf Zeit. Wir bleiben." Und weiter Richtung ÖIAG: "Wenn Sie wieder die uneingeschränkte Kontrolle über die Hauptversammlung erlangen wollen, stellen Sie doch ein Übernahmeangebot. Wenn Sie allerdings Ihren Privatisierungsauftrag erfüllen wollen, dann verkaufen Sie Ihre Aktien."

Die Hauptversammlung der VA Tech sei "erstmalig in der Unternehmensgeschichte ein eigenständiges Organ der Gesellschaft, das nicht (mehr) Erfüllungsgehilfe von Vorstand und Aufsichtsrat oder eines einzelnen Aktionärs ist", so Kovats in dem Brief. Der Kapitalmarkt habe diese Tatsache honoriert. Seit Einstieg seiner Gruppe der Kurs der VA Tech-Aktie um 73 Prozent gestiegen, so Kovats - und er meint: Die ÖIAG sollte "rasch lernen, mit den sorgfältig abgewogenen Befugnissen ("checks" and "balances") zu leben, die das Aktiengesetzes den Gesellschaftsorganen Hauptversammlung, Vorstand und Aufsichtsrat jeweils zuteilt".

Dass seine Investorengruppe am vergangenen Donnerstag überraschend gegen die Kapitalerhöhung gestimmt hat, begründete Kovats am Mittwochabend einmal mehr mit einer von der ÖIAG eingeforderten Stellungnahme der Übernahmekommission, wonach bei abgestimmten Verhalten zwischen ÖIAG und seiner Gruppe ein Übernahmeangebot an die Kleinaktionäre fällig gewesen wäre. "Damit, Herr Dr. Michaelis, haben Sie uns gezwungen, in allen wesentlichen Angelegenheiten der Hauptversammlung anders als die ÖIAG zu stimmen, um nicht unsererseits den Anschein zu erwecken, den Bestimmungen des Übernahmegesetzes zu widersprechen. Hätten Sie gegen die Kapitalerhöhung gestimmt, hätten wir diese selbstverständlich befürwortet", so Kovats.

Kovats meint aber grundsätzlich, dass seine Gruppe die Ablehnung der Kapitalerhöhung durch die Hauptversammlung ohnehin nicht verhindern hätte können. "Aufgrund der von der ÖIAG konzipierten Satzung der Gesellschaft und der von Ihnen vertretenen Auslegung erfordert eine Kapitalerhöhung eine Mehrheit von 75 Prozent. Auch wenn wir mit Ihnen gestimmt hätten, wäre diese Mehrheit nicht erreicht worden. Der Streubesitz war für die Ablehnung der Kapitalerhöhung und der damit von Ihnen verfolgten Interessen stimmentscheidend", meint der Industrielle.

ÖIAG weist Vorwürfe zurück
Die ÖIAG, mit 15 Prozent noch immer größter Aktionär der VA Tech hat am Mittwochabend Vorwürfe der Kovats-Gruppe zurückgewiesen. Die von der Übernahmekommission vorgebrachten Bedenken hätten sich "in erster Linie" auf ein gemeinsames Vorgehen bei den Wahlen zum Aufsichtsrat bezogen, die in dem Brief geäußerte Ansicht, die ÖIAG sei nicht an einer Kapitalerhöung für die VA Tech interessiert, stimme nicht: die ÖIAG habe sich dem gegenüber "entschieden für eine Kapitalerhöhung ausgesprochen", so die ÖIAG.

Die Übernahmekommission solle analysieren, ob das gleichgerichtete Stimmverhalten der Kovats-Gruppe mit anderen Aktionärsgruppen ein abgestimmtes Verhalten sei, was mit einem Kontrollwechsel über die Gesellschaft (und einem verpflichtenden Übernahmeangebot) gleichzusetzen wäre. "In diesem Zusammenhang wird eine Anfechtung der Hauptversammlungsbeschlüsse im Interesse aller Aktionäre geprüft." Der Ausstieg der ÖIAG aus der VA Tech werde erst erfolgen, "wenn eine stabile Aktionärsstruktur geschaffen ist", bekräftigt die Staatsholding.
Nicht eingegangen wird in der Aussendung auf den Vorwurf der Kovats-Gruppe, die ÖIAG wolle bei einer Kapitalerhöhung die Verteilung der jungen Aktien dermaßen beeinflussen, dass "opportunere Aktionäre" in die Gesellschaft "eingeschleust" würden. ÖIAG-Vorstand Rainer Wieltsch hatte laut Parlamentskorrespondenz am 28. April vor dem Industrieausschuss des Parlaments gesagt: "Investitionsbank und Vorstand könnten durch gewissenhafte Zuteilung von Aktien darauf Einfluss nehmen, dass die bestmöglichen Aktionäre ausgewählt würden".

Es könne nicht angehen, "dass von irgendwelcher Seite irgendwelche Aktionäre irgendwie präferiert werden. Wozu haben wir ein Aktienrecht?", hatte dazu Großaktionär Kovats am Mittwochabend erklärt.(APA/red)

6.5.2004 09:32