Spanier Rodrigo Rato zum neuen IWF-Chef ernannt: Folgt Horst Köhler nach
- Rücktritt Köhlers wg. Bewerbung für deutsche BP-Wahl
- Rato genießt Unterstützung der EU und den USA
Der Internationale Währungsfonds hat erwartungsgemäß den früheren spanischen Wirtschaftsminister Rodrigo Rato zu seinem neuen Chef ernannt. Das IWF-Direktorium stimmte am Dienstag für Rato, der die Nachfolge des Deutschen Horst Köhler antritt.
Nach dem Rücktritt von Horst Köhler ist der Spanier Rodrigo Rato zum neuen Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) bestimmt worden. Der IWF-Gouverneursrat, der die 184 Mitglieder der Organisation repräsentiert, sprach sich am Dienstag (Ortszeit) in Washington für die Ernennung des 55-jährigen ehemaligen spanischen Finanzministers aus. Er kann damit eine Amtszeit von fünf Jahren antreten. Der IWF-Chefposten war durch den Rücktritt von Köhler Anfang März vorzeitig frei geworden, der sich in Deutschland um das Amt des Bundespräsidenten bewirbt.
Die Ernennung Ratos zum neunten Geschäftsführenden Direktor in der Geschichte des IWF galt als sicher, da seine Kandidatur von der EU, den USA und anderen führenden Industriestaaten sowie von 15 lateinamerikanischen Ländern unterstützt worden war. Mit dem konservativen Politiker übernimmt erstmals ein Spanier die Führung der mächtigsten Finanzorganisation der Welt, die Kredite in Höhe von 107 Mrd. Dollar (88,7 Mrd. Euro) an 87 Länder vergeben hat und seit März vorübergehend von IWF-Vize Anne Krueger geleitet worden war.
Nach der Tradition steht einem Europäer der Chefposten beim IWF zu, während die Schwesterorganisation Weltbank von einem US-Amerikaner geleitet wird. Diese Praxis ist aber zunehmend umstritten; Entwicklungs- und Schwellenländer, die ihre Interessen nur unzureichend vertreten sehen, haben schon bei den vergangenen Besetzungen des IWF-Spitzenamtes immer wieder eigene Kandidaten ins Spiel gebracht.
Dieses Mal waren ursprünglich insgesamt fünf Kandidaten vorgeschlagen worden. Drei Nominierungen wurden allerdings zurückgezogen, nachdem sich eine breite Unterstützung für Rato abgezeichnet hatte, darunter die des ehemaligen Chefs der Bank für internationalen Zahlungsausgleich, Andrew Crockett, sowie von Ex-IWF-Vize Stanley Fischer. Gegen Rato trat nun nur noch der in New York geborene Ägypter Mohammed el Erian an, der für den Schwellenlandfonds Pacific Investment Management Co. arbeitet.
Rato, Sohn einer wohlhabenden Familie aus Nordwest-Spanien, ist Besitzer einer Geschäftsgruppe, zu der unter anderem ein Radiosender gehört. Er hat an der Universität von Kalifornien Wirtschaftswissenschaften studiert und promovierte in dem Fach später an der Universität Complutense in Madrid. Seit Anfang der 80-er Jahre in höheren Parteiämtern, wurde er 1996 stellvertretender Generalsekretär der konservativen Volkspartei (PP), zweiter Vizeministerpräsident sowie Minister für Wirtschaft und Finanzen unter dem inzwischen abgewählten Regierungschef Jose Maria Aznar. In Spanien werden der Aufschwung, der Rückgang der Arbeitslosigkeit und auch der Beitritt zum Euro als Verdienst von Ratos Wirtschafts- und Finanzpolitik bewertet.(APA/red)
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