Dienstag, 4. Mai 2004

Erst 17 der 32 Wettkampfstätten für Olympia 2004 sind fertig

  • Zweifel an Fertigstellung seien "Unsinn"
  • Kugelstoß-Bewerb nur mit Einschränkungen möglich

Die größte Baustelle - und damit die größte Unsicherheit was die Fertigstellung betrifft - befindet sich derzeit beim Herzstück der Spiele, dem Olympiastadion. Das Glasdach über der Arena ist noch immer nicht fertig. Das Organisationskommitee weist sämtliche in den Medien geäußerte Bedenken zurück, einen Fehler musste es allerdings bereits eingestehen; der Kugelstoß-Bewerb wird drastischen Einschränkungen unterlegen sein.

Die ins antike Olympia ausgelagerten Entscheidungen im Kugelstoßen bei den Olympischen Spielen am 18. August werden nach dem Einspruch führender Archäologen drastischen Einschränkungen unterworfen. Um den von den Experten befürchteten schweren Schäden auf dem Gelände entgegenzuwirken, werden wie bei der Entzündung des Olympischen Feuers keine Tribünen errichtet. Die maximal 15.000 Zuschauer müssen sich auf die Erdwälle des antiken Stadions setzen.

Die Einrichtungen für das Fernsehen werden auf das Nötigste limitiert, auf eine elektronische Anzeigetafel wird verzichtet. Somit müssen sich die Zuschauer wie in der Antike auf ihre eigenen Wahrnehmungen des Ablaufes verlassen. Die Siegerehrung findet zwei Tage nach dem Wettkampf in Athen statt.

Gegen die Verlagerung des Kugelstoßens, das es in der Antike überhaupt nicht gab, hatten Denkmalpfleger und Archäologen wegen der Auswirkungen auf das antike olympische Gelände, das vor der Aufnahme in die Liste des Weltkulturerbes steht, Protest eingelegt. Die von den Olympia-Organisatoren übergangene Präsidentin der griechischen Archäologischen Gesellschaft, Aglaia Archontidou, bezeichnete die Wettbewerbe in Olympia als bloßen PR-Gag. Der deutsche Archäologe und Ausgräber in Olympia, Prof. Dr. Ulrich Sinn, hatte sich aus Umweltschutzgründen gegen die Wettkämpfe im antiken Gelände ausgesprochen und die nun eingeführten strengen Beschränkungen zur Schadensbegrenzung verlangt.

Zweifel an Fertigstellung der Wettkampfstätten seien "Unsinn"
100 Tage vor Beginn der Olympischen Sommerspiele in Athen (13. bis 29. August) sind erst 17 der 32 Wettkampf-Stätten fertig gebaut. Die größte Unsicherheit besteht weiterhin beim Glasdach über dem Olympiastadion, das allerdings nach jüngsten Angaben noch im Mai fertig sein soll.

Die in verschiedene Medien geäußerten Zweifel seien "Unsinn", erklärte am Dienstag ein Sprecher des Designers der Stadion-Überdachung im griechischen Fernsehen. "Die Überdachung wird in den nächsten Tagen fertig sein", verkündete er im Namen des spanischen Stararchitekten Santiago Calatrava. Zuvor hatte die britische Zeitung "The Times" berichtet, dass das Internationale Olympische Komitee (IOC) den Griechen ein Ultimatum gestellt habe, bis zum 20. Mai das Dach zu bauen oder das Projekt fallen zu lassen.

Übersicht über den aktuellen Stand der Olympia-Wettkampfstätten

Fertig: Olympisches Dorf, Doping-Kontrollzentrum, IBC (Fernseh-
und Rundfunkzentrum), MPC (Pressezentrum), Oaka-Sporthalle
(Turnen/Basketball), Segelzentrum, Regattabahn (Rudern/Kanu),
Reitzentrum, Gewichtheber-Halle, Fußball-Stadion in Heraklion,
Panathinaikon-Stadion (Bogenschießen/Marathon), Galatsi-Halle
(Rhythmische Gymnastik/Tischtennis), Ringer-Halle, Faliron-Halle
(Taekwondo/Handball) sowie die Anlagen für Baseball, Softball, Hockey
und Beach-Volleyball.

Fertigstellung bis Ende Mai: Schwimmstadion (zu 95% fertig), Tennis-Zentrum (95%), Schiess-Zentrum (92%), Volleyball-Stadion (96%), Goudi-Halle
(Badminton/Moderner Fünfkampf/94%), Velodrom (90%) sowie die
Fußball-Stadien in Patras (98%), Volos (85%) und Saloniki (90%).

Fertigstelung bis Ende Juni: Olympiastadion (90%), Basketball-Halle in
Hellenikon (90%), Fecht-Halle (90%), Fußball-Stadion in Piräus (70%),
Kanu-Slalom (95%) und Box-Halle (80%).
(APA/red)

4.5.2004 16:08