Athen steht 100 Tage vor Eröffnung der olympischen Spiele vor großen Problemen
- Kosten ufern aus: "Müssen ein Wunder verwirklichen"
- Organisationskomitee macht sich Sorgen um Zeitplan
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Sieben Jahre Vorbereitungszeit, dennoch wird knappe drei Monate vor Eröffnung der olympischen Spiele noch immer gebaut - im Drei-Schichten-Rhythmus und rund um die Uhr. DIe Athener beunruhigt dies in keinster Weise: "Einhundert Tage ist eine lange Zeit. Wir werden rechtzeitig fertig sein", sagen die Einwohner von Athen.
Völlig anders ist die Stimmung im Organisationskomitee (ATHOC): "Es darf nicht mehr eine Minute verloren gehen", sagt seine Präsidentin, Gianna Angelopoulos-Daskalaki. Das aber sagt sie schon seit mehr als drei Jahren. "Auch ihr fallen mittlerweile keine neuen Ausdrücke mehr ein, um die brenzlige Lage darzustellen", meinen ihre engen Mitarbeiter.
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat sich längst damit abgefunden, dass die Griechen Vieles erst in letzter Minute fertig haben werden. Der Zeitpunkt für Drohungen ist längst überschritten, jetzt helfen nur noch Streicheleinheiten und eine fast durchgehende Beaufsichtigung. Am 10. Mai wird die IOC-Koordinierungskommission unter Leitung des Schweizers Denis Oswald erneut einfliegen. Noch nie hat das IOC es für nötig gehalten, so oft vor Ort zu sein und so intensiv auf Olympia-Organisatoren einzuwirken. "Sie (die Griechen) hätten uns und sich selbst den Stress mit den Vorbereitungen ersparen können. Wir haben jedoch keine Zweifel mehr, dass alles in die Wege geleitet worden ist", hieß es am Dienstag aus der IOC-Zentrale in Lausanne.
Die neue Regierung unter Ministerpräsident Kostas Karamanlis ist entschlossen, alles zu tun, damit "nach Olympia alle zufrieden sind". Am Montag wurde ein neues Verkehrs-Überwachungssystem in Betrieb genommen. Und da laut Umfrage mehr als 43 Prozent der Athener, die nicht im staatlichen Bereich arbeiten, im Olympia-Monat August in Urlaub gehen wollen, hoffen die Behörden auf ein Ausbleiben des befürchteten Verkehrschaos. Gleichzeitig kündigte das Innenministerium an, dass alle seine Behörden vom 1. Juli an in Alarmbereitschaft versetzt werden. "Vom 1. Juli an wird in fast allen Behörden Alarmstufe rot gelten", sagt ein Sprecher des Innenministeriums. In den Bereichen Müllabfuhr, Gesundheitssystem, Öffentliche Verkehrsmittel, Banken, Post, Telekommunikationen und Sicherheit werde keiner in den Urlaub gehen, hieß es.
Riesige Baustellen drei Monate vor Eröffnung
Wer jedoch dieser Tage in Athen ankommt, kann es nicht glauben, dass die neue Bahnlinie, die die Olympia-Stadt mit ihrem Flughafen verbinden soll, noch fertig gebaut werden kann. Entlang der Hälfte der Strecke fehlten noch die Leitungen, die die Züge mit Elektrizität versorgen werden. Laut Plan soll die Bahn Anfang Juli in Betrieb genommen werden.
Groß sind noch die Sorgen bei den Sportanlagen. Das Olympiastadion ist noch eine reine Baustelle. Die Überdachung wird allen Anzeichen nach Mitte Mai fertig sein, doch die Bauarbeiten sollen bis Ende Juni weitergehen. Erst dann werden die Techniker des Fernsehens arbeiten können. "Wir müssen eben ein Wunder verwirklichen", sagt ein hoher Beamter der staatlichen griechischen Telekommunikationsgesellschaft.
Völlig unklar ist noch, wann und ob der vorolympische Test der Leichtathletik stattfinden wird. "Wenn das Stadion nicht fertig ist, dann werden wir ganz einfach ohne den Test bleiben. Das ist jedoch undenkbar", sagt ein Mitglied des griechischen Leichtathletik-Verbandes (SEGAS). Mit seiner Aussage trifft er die größte Besorgnis der IOC-Führung: Dass ein wesentlicher Teil der 201 Medaillen-Wettbewerbe in ungetesteten Arenen ausgetragen wird.
Nach wie vor jedoch bleibt die Sicherheit für Regierung, ATHOC und IOC die erste Priorität. Die Kosten ufern aus und werden mittlerweile auf eine Milliarde Euro geschätzt. 650 Millionen Euro sind für den Einsatz von mehr als 70.000 Sicherheitskräfte, Militärs, Feuerwehrleute und Sicherheitssysteme kalkuliert. Hinzu kommen noch die Ausgaben für den Einsatz von mehreren AWACS-Radarflugzeugen des Frühwarnsystems der NATO und der NATO-Flotte in der Ägäis. Diese Einsätze zum Schutz aus der Luft und zu Wasser werden die Allianz weitere 350 Millionen Euro kosten. Damit wird das Paket Sicherheit das teuerste in der Geschichte der Olympischen Spiele sein.(APA/red)
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