Sonntag, 9. Mai 2004

Rotkreuz-Bericht zu Folter-Skandal: Auch Blair wusste von Misshandlungen im Irak

  • Studie beinhaltete detaillierte Angaben über Vorwürfe
  • US-Armee: Vorerst keine Schließung von Abu Ghraib

Nächstes Kapitel im Folter-Skandal: Die britische Regierung ist erstmals im Februar über Gefangenenmisshandlungen seitens britischer und amerikanischer Soldaten im Irak informiert worden. Wie ein Sprecher von Premierminister Blair am Samstagabend mitteilte, wurde seinerzeit ein Zwischenbericht des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) zirkuliert, in dem die Vorwürfe datailliert aufgeführt waren.

Die vertrauliche Studie sei noch nicht veröffentlicht worden. Das IKRK bestätigte, dass es sich dabei um einen authentischen Bericht gehandelt habe. Amerikanische Beamte seien schon vor gut einem Jahr warnend darauf hingewiesen worden, dass Gefangene im Irak gefoltert würden. Eine formelle Erörterung des Problems mit ranghohen US-Regierungsvertretern im Irak habe dann im Februar stattgefunden.

Ein ehemaliger Offizier der britischen Armee-Spezialeinheit Special Boat Squadron (SBS) hat die Misshandlungen von irakischen Gefangenen durch Soldaten der US-geführten Besatzungsstreitkräfte als systematisch bezeichnet. Zu den Methoden gehörten demnach auch Demütigungen und sexuelle Misshandlungen. Sie dienten dazu, bei den Gefangenen den "Schock der Festnahme" zu verlängern und dies für die folgenden Verhöre auszunutzen.

Der neue Leiter der US-Militärgefängnisse im Irak, Generalmajor Geoffrey Miller, hat indessen eine Schließung der Haftanstalt Abu Ghraib westlich von Bagdad vorläufig ausgeschlossen. Der Betrieb in der Anstalt werde zunächst unter voller Einhaltung der Menschenrechte weitergehen, sagte Miller am Samstag in Bagdad, nachdem zuvor mehrere US-Politiker eine Schließung des Gefängnisses ins Gespräch gebracht hatten, in dem zahlreiche Fotos von Misshandlungen und Demütigungen irakischer Gefangener durch US-Soldaten entstanden. (apa)

9.5.2004 08:02