Samstag, 8. Mai 2004

Anonymer Brief löste "Folterskandal" aus: US-Soldat beschrieb darin Misshandlungen

  • Rumsfeld bedachte 24-jährigen Reservisten mit Lob
  • Verteidigungsminister spricht vor US-Senat von Horror

Für die US-Regierung wird der Skandal um die Misshandlungen irakischer Gefangener derzeit immer brenzliger. Ins Rollen gebracht wurde er durch einen anonymen Brief, den ein im Irak stationierter Soldat schon vor Monaten unter der Tür seines Vorgesetzten hindurchschob. Darin wies der Soldat im Jänner auf die alarmierenden Vorfälle im US-Gefängnis Abu Ghoreib bei Bagdad hin. Der Name des Verfassers ist mittlerweile bekannt, und bei seiner Befragung vor dem Streitkräfteausschuss des US-Senats wurde er von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld ausdrücklich mit Lob bedacht: Joseph Darby, 24-jähriger Reservist aus der Kleinstadt Jenners in Pennsylvania.

Das Mitglied der nun berüchtigten 372. Kompagnie der US-Militärpolizei überkam Ekel, als er die Bilder der Misshandlungen sah, die auf CD-Rom unter den Soldaten kursierten. Unter Eid sagte er später gegen seine Kameraden aus. Damit wurde er zum so genannten "whistleblower" ("Petze"). Angehörige, Freunde und Nachbarn schildern Darby als ruhigen Menschen mit festen Prinzipien und gelegentlichen Temperamentsausbrüchen. Sie sei sich sicher, dass er sich seinen Vorstoß lange überlegt habe, aus Gewissensgründen aber nicht anders handeln konnte, sagt seine Schwägerin. (apa/red)

8.5.2004 14:12