Mittwoch, 5. Mai 2004

Anschlag in Athen 100 Tage vor Olympia: Sorge um Sicherheit der Spiele

  • IOC-Generalsekretär Jungwirtht: "Bestens geschützt"
  • Griechische Regierung verdächtigt "lokale Extremisten"

Hundert Tage vor Beginn der Olympischen Spiele in Athen hat die Explosion von drei Sprengsätzen Sorgen um die Sicherheit der Veranstaltung verstärkt. Die Bomben detonierten innerhalb einer halben Stunde in der Nähe einer Polizeiwache im Stadtteil Kallithea. Verletzte gab es keine. Die griechische Regierung machte örtliche Extremisten verantwortlich. In Kallithea befinden sich Luxushotels, in denen Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) im Sommer untergebracht werden sollen.

Heinz Jungwirth, der Generalsekretär des Österreichischen Olympischen Comites (ÖOC), teilte die Bedenken über die Sicherheit nicht. Er sah überhaupt keinen Zusammenhang mit Olympia. Der erfahrene ÖOC-Funktionär sah die Dinge abgeklärt. "Ich habe keine Befürchtungen, alles ist bestens geschützt", erklärte Jungwirth gegenüber der APA.

Der griechische Ministerpräsident Kostas Karamanlis betonte: "Der Zwischenfall wird die Vorbereitungen für die Olympischen Spiele nicht beeinflussen". Hinter den Bombenanschlägen stünden "örtliche Extremisten". Diese "Elemente" hätten nicht die "Kapazität" für folgenschwere Attentate, erklärte der griechische Minister für öffentliche Ordnung, Giorgos Voulgarakis. "Isolierte Einzelfälle" wie die jüngsten Explosionen nahe einer Polizeiwache stünden nicht in Zusammenhang mit den Olympischen Spielen und könnten sie "selbstverständlich" nicht gefährden.

Die Explosionen rissen tausende Menschen aus dem Schlaf, verletzt wurde jedoch niemand. Die Behörden waren durch einen anonymen Anruf alarmiert worden, der bei der Athener Zeitung "Eleftherotypia" einging. Die Polizeiwache war daraufhin evakuiert worden.

Die Sicherheitsexpertin Mairy Bossi erklärte im griechischen Fernsehsender NET: "Die Anschläge zeigen, wie leicht die Sicherheitsmaßnahmen umgangen werden können". Regierungssprecher Theodoros Roussopoulos sagte: "In enger Zusammenarbeit mit vielen Staaten haben wir ein Sicherheitssystem entworfen, das die sichere Austragung der Olympischen Spiele garantiert". Seiner Ansicht nach hängen die Explosionen aber nicht mit Olympia zusammen.

Die kurzen Zeitabstände zwischen den Detonationen deuten nach Einschätzung der Polizei darauf hin, dass die Täter Beamte verletzen wollten. Über die Täter und die Motive gab es unterschiedliche Einschätzungen. "Sicher war das kein Anschlag der El Kaida", sagte ein Polizeioffizier. Es waren aber auch keine "der üblichen relativ harmlosen Explosionen von Haushalts-Gasflaschen, die verschiedene Olympia-Gegner hin und wieder mal knallen lassen". "Diesmal haben die Täter Dynamit verwendet", sagte der Beamte.

Andere Polizeiquellen sahen Parallelen zu einem Anschlag auf ein Gerichtsgebäude vom September. Damals bekannte sich eine Gruppe namens "Revolutionärer Kampf" dazu. Auch Sympathisanten der im vergangenen Jahr zerschlagenen griechischen Terrororganisation "17. November" (17N) wurden verdächtigt. Einig waren sich die meisten Experten über das Motiv der Attentäter: "Das Datum - genau 100 Tage vor der Olympia-Eröffnungsfeier - zeigt das Ziel", sagte ein Anti-Terror-Experte im Fernsehen.

Griechenland steht unter starkem internationalen Druck, schärfere Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen, da die Olympischen Spiele im August die ersten Sommerspiele nach den Anschlägen vom 11. September 2001 sind. Bisher gaben allein die Griechen für die Sicherheit 650 Millionen Euro aus. Damit wird es nach offiziellen Angaben das teuerste Sicherheitspaket in der Geschichte der Olympischen Spiele sein.(APA/red)

5.5.2004 07:42