Dienstag, 4. Mai 2004

USA nach Folter-Skandal unter Druck: Armee will jetzt Verhörmethoden ändern

  • Schon 25 Häftlinge in US-Gefangenschaft gestorben
  • PLUS: NEUE Schock-Fotos von den Misshandlungen!

Angesichts der weltweiten Empörung über Misshandlungen von Häftlingen in US-Militärgefängnissen im Irak und Afghanistan ist Washington um Schadensbegrenzung bemüht. Die Streitkräfte sagten am Dienstag eine Änderung der Verhörmethoden zu. Ferner wurde bekannt gegeben, dass Ermittlungen in den Todesfällen von insgesamt 25 Häftlingen im Irak und Afghanistan eingeleitet worden seien.

Bei den 25 registrierten Todesfällen seien die zuständigen Militärgerichte lediglich zwölf Mal zu dem Schluss gekommen, dass es sich um einen natürlichen Tod gehandelt habe oder die Ursache nicht eindeutig feststellbar sei, teilte Generalmajor Donald Ryder in Washington mit. Zwei Mal sei indessen ein eindeutiges Tötungsdelikt vorgelegen. Eine weitere Tötung eines Gefangenen sei aus einer Notlage heraus als gerechtfertigt betrachtet worden, fügte Ryder hinzu. Dies bedeute, dass noch zehn Fälle nicht gänzlich geklärt seien.

Zahl der Häftlinge in Abu Ghreib wird reduziert
Als Reaktion auf die Vorwürfe wegen Misshandlungen irakischer Gefangener teilten die US-Streitkräfte weiter mit, dass die Zahl der Häftlinge im Bagdader Gefängnis Abu Ghreib von derzeit 3.800 auf etwa die Hälfte reduziert werde. Einige Verhörmethoden wie Schlafentzug müssten künftig von ranghohen Offizieren genehmigt werden, erklärte der neue Gefängnisleiter, Generalmajor Geoffrey Miller, in der irakischen Hauptstadt.

Regierung auch in den eigenen Reihen in der Kritik
Die US-Regierung ist nun auch in den eigenen Reihen im Zusammenhang mit den Misshandlungsvorwürfe gegen US-Soldaten im Irak in die Kritik geraten. Der republikanische Senator John McCain warf dem Verteidigungsministerium Versagen in seiner Informationspolitik zu den Misshandlungen vor. "Es ist ein Verhaltensmuster seitens des Verteidigungsministeriums, den Kongress über eine Reihe von Themen nicht zu informieren, aber dies ist wirklich ungeheuerlich", sagte McCain, der selbst in Vietnam Kriegsgefangener war.

Der Fraktionschef der oppositionellen Demokraten im Senat, Tom Daschle, appellierte an Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, den Kongress noch in dieser Woche zu dem Thema zu informieren. US-Außenminister Colin Powell sprach indes davon, dass nur wenige US-Soldaten in die Misshandlungen verwickelt gewesen seien. Aus US-Militärkreisen verlautete, zwei von den USA Inhaftierte im Irak seien 2003 von zwei US-Amerikanern getötet worden.

Rice versucht Wogen zu glätten
US-Sicherheitsberaterin Rice gab dem arabischen Fernsehsender Al Jazeera am Dienstag ein Interview, in dem sie offensichtlich darum bemüht war, die Wogen in der arabischen Welt zu glätten. "Wir haben ein demokratisches System, in dem Menschen für ihre Handlungen zur Rechenschaft gezogen werden", betonte sie. US-Präsident Bush werde dafür sorgen, dass die Verantwortlichen für die Misshandlungen gerichtlich verfolgt würden.

Rumsfeld verspricht Aufklärung
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat eine lückenlose Aufklärung der Missbrauchsvorwürfe im irakischen Gefängnis von Abu Ghoreib angekündigt. Die Taten seien völlig unakzeptabel und unamerikanisch, sagte Rumsfeld am Dienstag in Washington. Der Minister äußerte sich erstmals öffentlich, seit die Bilder mit missbrauchten Häftlingen am Donnerstag vergangener Woche weltweit für Aufsehen und Empörung gesorgt hatten.


(apa/red)

4.5.2004 07:09