Montag, 3. Mai 2004

Folter im Irak: Sechs US-Offiziere haben einen "Verweis" bekommen

  • Auch Überwacherin Karpinski wurde verwarnt
  • Ermittlungen: Militärgeheimdienst & CIA verwickelt?

Im Skandal um die Misshandlung von Gefangenen im Irak haben sechs US-Offiziere einen Verweis erhalten. Wie ein Koalitionssprecher am Montag in Bagdad mitteilte, wurde den Offizieren damit die höchstmögliche Verwarnung erteilt. Eine Beförderung sei somit blockiert und der Weg frei zu ihrem Ausschluss aus der Armee. Ein siebter Angehöriger der US-Armee habe eine Verwarnung erhalten. Auch die Offizierin Janis Karpinski sei unter den verwarnten Offizieren.

Karpinski war für die Überwachung des Gefängniswesens im Irak verantwortlich und im Zusammenhang mit den Misshandlungen im Abu-Gharib-Gefängnis bei Bagdad vom Dienst suspendiert worden. Die Ermittlungen zu den Misshandlungen waren im Jänner aufgenommen worden, nachdem ein US-Soldat die Vorgänge enthüllt hatte. Der US-Sender CBS hatte in der vergangenen Woche Fotos von den Misshandlungen und Demütigungen veröffentlicht. Gegen sechs US-Soldaten war Anklage erhoben worden. In der berüchtigten Haftanstalt von Abu Gharib wurden während der Herrschaft von Saddam Hussein Oppositionelle gefoltert und hingerichtet.

Die Ermittlungen der Armee richten sich nicht nur gegen die Soldaten und verantwortliche Offiziere, sondern untersuchen auch, inwieweit der Militärgeheimdienst und die CIA verstrickt gewesen sein könnten. Das Nachrichtenmagazin "The New Yorker" hatte berichtet, der US-Militärgeheimdienst habe offenbar den Besatzungssoldaten die Misshandlungen und Demütigungen befohlen, um die Gefangenen zu Aussagen zu zwingen.

(apa)

3.5.2004 11:44