Montag, 3. Mai 2004

Irakischer Minister: USA waren über schwere Misshandlungen informiert!

  • "Verweis" für sechs US-Offiziere nach Folter-Aktionen
  • PLUS: Die Schock-Fotos von gequälten Gefangenen

Die US-Zivilverwaltung im Irak ist nach Angaben des irakischen Regierungsrates über die Folterpraktiken der US-Armee informiert gewesen. Er selbst habe Zivilverwalter Paul Bremer im November sehr deutlich auf Verletzungen der Menschenrechte auch in Gefängnissen hingewiesen, sagte der irakische Übergangsminister für Menschenrechte, Abdel Bassat Turki. Bremer habe zwar zugehört, aber nicht geantwortet. "Das heißt, dass er den Informationen, die ich ihm gegeben habe, keine Beachtung geschenkt hat." Unterdessen zieht der Skandal um Misshandlungen von irakischen Gefangenen durch Besatzungstruppen immer weitere Kreise!

Sein Ministerium bemühe sich bereits seit vier Monaten im Gefängnis Abu Gharib um die Einrichtung eines Büros, sagte Turki. Diese Außenstelle solle nun möglicherweise in der kommenden Woche eröffnet werden. Er verstehe mittlerweile, warum dies so lange gedauert habe.

Der amtierende irakische Außenminister Hoshjar Sebari forderte eine "unabhängige Untersuchung" der Misshandlungen irakischer Gefangener. Die Vorfälle seien "eine Beleidigung aller Iraker". US-Außenminister Colin Powell sprach von "verabscheuungswürdigen Taten".

US-Präsident George W. Bush bekräftigte unterdessen, trotz der schwierigen Lage und der zunehmenden Verluste der US-Armee im Irak nicht von seiner bisherigen Politik abweichen zu wollen. "Ich werde meine Meinung nicht ändern, wir tun das Richtige", sagte er am Montag bei einem Wahlkampfauftritt in Niles im US-Bundesstaat Michigan. Die US-Soldaten sollten "nicht umsonst" sterben. "Der Irak wird frei sein." Allein seit dem 1. April waren im Irak mehr als 150 US-Soldaten getötet worden. Seit Beginn des US-Einmarsches am 20. März vergangenen Jahres starben fast 750 US-Soldaten.

Folterskandal zieht immer weitere Kreise
Es gebe "Hunderte von Fotos" von britischen Soldaten, die Zivilisten misshandelt hätten, berichtete das Massenblatt "The Mirror" unter Berufung auf einen anonym gebliebenen Soldaten. Derartige Fotos würden "routinemäßig ausgetauscht". Eine Anzahl von Soldaten im Süden des Iraks sei "völlig außer Kontrolle", sagte die Quelle der Zeitung weiter.

"Vielleicht wissen die Offiziere nicht, was los ist, aber alle anderen wissen es. Ich habe Hunderte von Bildern gesehen", wurde der namentlich nicht genannte Soldat zitiert. Er ist nach Angaben des Blattes einer der beiden Soldaten, die dem "Mirror" ein Foto über die Misshandlung eines irakischen Gefangenen durch Angehörige des "Queens Lancashire Regiments" zugespielt hatten.

Das britische Verteidigungsministerium hat eine Untersuchung über die Echtheit der Bilder angeordnet. Die Anschuldigungen sind von Premierminister Tony Blair und dem Generalstabschef der britischen Armee, Sir Mike Jackson, aufs Schärfste verurteilt worden. (apa/red)

3.5.2004 09:51