Wiener Hilton frisch renoviert: Eigentümer suchen neuen Käufer für Traditionshotel
- FORMAT: Hotel soll für 175 Mio. Euro den Besitzer wechseln. Wiedereröffnung am 17. Mai
Vom dezenten Charme der siebziger Jahre ist am Wiener Stadtpark nichts übrig geblieben: Wenn das Hilton Hotel am 17. Mai nach 16 Monate währender Totalrenovierung wieder seine Pforten öffnet, werden Besucher den ehedem angejahrten Laden nicht wiedererkennen....
Kürzlich traf der Aufsichtsrat der Besitzgesellschaft Stadtparkliegenschaftsbeteiligung GmbH erstmals in einem der neuen Konferenzräume im neuen Hilton zusammen. Dabei konnten sich Erwin Soravia, 68, pensionierter Bauunternehmer aus Kärnten und Aufsichtsratsvorsitzender, sowie seine Stellvertreterin Eva Dichand, 31, die Ehefrau von "Krone"-Chefredakteur Christoph Dichand, davon überzeugen, dass in Wiens größter Nobelherberge alles termingerecht fertig wird.
Die Soravia Privatstiftung und die Dichand Privatstiftung hatten das nach 26 Betriebsjahren abgewohnte Hotel im Frühjahr 2002 um 72 Millionen Euro aus dem Besitz der trudelnden Swiss Air erworben.
Ob 45 luxuriöse Suiten in den obersten Stockwerken, 3.000 Quadratmeter Büros mit atemberaubendem City-Blick, der für 1.800 Gäste ausgelegte neue Konferenzsaal oder das im Keller etablierte Birdland der Jazz-Legende Joe Zawinul: Nach Investitionen von fast 80 Millionen Euro erstrahlt das Fünf-Sterne-Haus nun wieder in neuem Glanz.
"Mörderisch hohe Renditen."
Der Unternehmer Hanno Soravia, 43, als älterer Spross der Kärntner Baudynastie gemeinsam mit Bruder Erwin, 37, Motor des Mega-Projektes, ist auf seinen geglückten Coup aufrichtig stolz: "Nicht einmal die zwei Familien waren davon überzeugt, dass alles rechtzeitig fertig wird. Dabei steht jetzt schon fest, dass wir hier mörderisch hohe Renditen zwischen 6,5 und 6,7 Prozent auf das eingesetzte Kapital erwirtschaften werden."
"Ballroom" statt Hollein-Wolke.
Multi-Unternehmer Hanno Soravia hat sich mit dem Kauf des Hilton bereits in jungen Jahren ein Denkmal gesetzt. Für 73 Millionen Euro wechselte zwar ein in die Jahre gekommenes Hotel den Besitzer - zur Gesamtnutzfläche (Hotel, Büros und Einkaufspassage) von 40.000 Quadratmetern kam aber auch ein 10.000 Quadratmeter großes Grundstück mitsamt wertvollen Widmungen.
Dann wurde kräftig umgebaut: Im ersten Schritt legte Stararchitekt Hans Hollein einen schlicht "Wolke" genannten, dreistöckigen und Hutschachtel-förmigen Dachausbau vor, der von der Baubehörde allerdings nicht genehmigt wurde. Dagegen durfte sich Hollein am Gelände des früheren City Air Terminal austoben und einen zweistöckigen "Ballroom" verwirklichen, den größten Konferenzsaal der City - zwei neue Säle bieten 1.800 Gästen Platz.
Viele Etagen höher, im 13. und 14. Stock, zogen die neuen Besitzer die Sky Offices auf: 3.000 Quadratmeter Büros mit Spitzenmieten von 22 Euro pro Quadratmeter und Monat, die trotz Büroflaute Abnehmer finden. Soravia: "Es gibt Vorstände von Holdinggesellschaften aus den Bundesländern, die ihr Büro hier gleich zum Übernachten nützen." Gut ein Drittel dieser Sky Offices ist bereits vor der Eröffnung vermietet. Auch in der ehedem zappendusteren Hilton-Einkaufspassage weht mittlerweile ein neuer Wind. Dort kostet der Quadratmeter nun stolze 60 Euro Miete pro Monat.
DB Real Estate und CA Immobilien AG winkten ab.
Finanziert von der benachbarten Raiffeisenzentralbank (RZB), sondierten die Familien Soravia und Dichand bereits ein Jahr vor Fertigstellung des Baus die Chancen für einen Verkauf der Immobilie. Interesse zeigten zunächst die DB Real Estate der Deutschen Bank sowie die CA Immobilien AG.
Doch beide Interessenten winkten schließlich ab. Hanno Soravia bestätigt: "Die CA Immo AG wäre interessant gewesen, doch die wollten nur 50 Prozent übernehmen."
Während der Familie von "Krone"-Zar Hans Dichand von Anfang an nachgesagt wurde, ihren Hälfteanteil bei gutem Wind rasch wieder zu veräußern, hat der Soravia-Clan inzwischen Blut geleckt. Nächstes Projekt: die "Welle", ein Bürokomplex auf dem ehemaligen Busparkplatz vor dem Hilton. Hanno Soravia: "Wir halten einen bis zum Jahr 2020 laufenden Vertrag mit der Hilton-Gruppe zu hervorragenden Konditionen in Händen. Wenn es irgendwie geht, würden wir gerne einen Anteil behalten."
(Aus FORMAT 18/2004)
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