Dienstag, 27. April 2004

Bischöfliche Scheidung

  • Gertraud Knoll lässt sich nach 27 Jahren Ehe scheiden.
  • Ihr Mann hat die Wohnung verlassen.

Ihr Leben lang schwamm sie gegen den Strom: ihr Theologiestudium, ihr Engagement als protestantische Pfarrerin, ihr sozialpolitisches Auftreten als Bischöfin, ihre Kandidatur als Bundespräsidentin – und, zuletzt, ihr politisches Wirken für die SPÖ.

Nach 27 Jahren Ehe mit dem Religionslehrer Otmar lässt sich Gertraud Knoll nun scheiden. Den Rat von Freunden, sich klammheimlich vom Vater ihrer drei Kinder zu trennen, aber die Ehe pro forma aufrechtzuerhalten, um so zumindest den Anschein bürgerlicher Gepflogenheiten zu wahren, hat sie ausgeschlagen: Sie werde, sagt sie
im NEWS-Gespräch, „demnächst die Scheidung einreichen“.

Private Tragik. Gertraud Knoll, die im April 1994 zur ersten Superintendentin der evangelischen Kirche A. B. des Burgenlands ernannt wurde, brachte in den letzten Jahren drei Kinder – die Töchter Esther und Eleni sowie den jetzt sechseinhalb Jahre alten Sohn Levi – zur Welt.

Während dieser Zeit ging ihr Gatte eine außereheliche Beziehung mit einer Wiener Lehrerin ein, der eine (heute 13-jährige) Tochter entsprang. Für Knoll eine große Herausforderung – als Bischöfin, Gattin und Mutter.

Schließlich ist das außereheliche Kind ihres Gatten gleich alt wie ihre älteste eheliche Tochter: ein Patchworkverhältnis der subtilen Art, das Gertraud Knoll Geduld und Verständnis abverlangte.

Kirche und Politik. Magister Knoll ist Absolventin der evangelischen theologischen Fakultät der Universität Wien. Ihren Mann, ebenfalls evangelischer Theologe, heiratete sie im Alter von knapp 18. Nach einem Jahr als Assistentin an der Uni Wien wurde die gebürtige Oberösterreicherin vom damaligen Bischof Oskar Sakrausky der burgenländischen Gemeinde Weppersdorf zur Pfarrerin vorgeschlagen und von der Gemeinde mit Mehrheit gewählt. Das Burgenland hat mit 35.000 Mitgliedern (14 Prozent der Bevölkerung) einen extrem hohen Anteil an Bürgern protestantischen Glaubens.

Während sich ihr Gatte fürs Lehramt entschied, begann sich Gertraud Knoll als Seelsorgerin zu engagieren. Sie setzte sich für Randgruppen und für Notleidende, für Ausländer und Benachteiligte der Gesellschaft ein.

Es dauerte nicht lange, bis die burgenländische FPÖ gegen die „Ausländerfreundin“ Knoll zu mobilisieren begann. Und je mehr von rechts gegen sie gehetzt wurde, desto mehr verstand sie ihr Wirken als Seelsorgerin auch als politisches Amt.
Pressionen. 1994 wurde sie Superintendentin des Burgenlandes (vergleichbar mit dem Diözesanbischof der katholischen Kirche). Vier Monate nach ihrer Bischofswahl explodierten die Bomben von Oberwart – und sie schockte die Öffentlichkeit mit einem historischen Zitat: Wer nicht für die Juden schreit, darf auch nicht für die Nazis singen!

Die Blauen des Burgenlandes tobten – eine jahrelange Hetzjagd gegen sie folgte. Es gab Drohanrufe, Verleumdungen, Pressionen. Die wurden umso stärker, als bekannt wurde, dass die Superintendentin Knoll in ihrer Amtswohnung in Eisenstadt ausländischen Flüchtlingen Quartier gewährte. Permanent wurde ihr unterschwellig damit gedroht, das außereheliche Verhältnis ihres Gatten mit einer Lehrerin publik zu machen.

Die ganze Story lesen Sie im neuen NEWS
PLUS: Gertraud Knoll im NEWS-Interview über ihre tief greifenden Eheprobleme, ihre Kinder und ihre künftige Beziehung zum Exgatten.

27.4.2004 14:33