Der neue Präsident: der Stimmen-Fischer
Wie er das Amt beleben will und das Land
- Wie Heinz Fischer die Wahl erlebte. Und wie sein Verhältnis zu Schüssel die Innepolitik prägen wird.
Fischer: Ich bin zwar kein Gegenkanzler. Aber ich werde in Krisensituationen vor und hinter den Kulissen aktiv werden. - Wie der Wahlsieger die Hofburg entstauben will und warum sein Duell mit Wolfgang Schüssel Österreich verändern wird.
Als Fischer-Wahlmanager Norbert Darabos Montag früh, noch etwas schlaftrunken, im Radio hörte, dass Margit Fischer darüber plauderte, dass ich weiter selbst meinem Mann die Haare schneiden werde, weil das ein intimes Erlebnis ist, wäre er fast vom Sessel gefallen. Das Kaffeehäferl jedenfalls zitterte bedenklich, schildert Darabos seinen Mitarbeitern die erste Reaktion.
Bis mir einfiel, dass der Wahlkampf vorbei ist und ich jetzt keine Protestbriefe der Friseurinnung mehr beantworten muss, verging schon einige Zeit, erzählte Darabos lachend in der Löwelstraße. Ganz so locker war er 24 Stunden davor wahrlich nicht unterwegs. Gegen 12 Uhr mittags herrschte in der SP-Wahlkampfzentrale in der Wiener Zelinkagasse höchste Nervosität: Heinz Fischer war gegen 11 Uhr in der Wiener Lerchenfelder Straße zur Wahl gegangen und nach einem Besuch im Café Eiles, mit hervorragenden Ergebnissen aus dem Burgenland und der Trendgemeinde St. Ilgen (59 Prozent für Fischer) gefüttert, zum Mittagessen in die heimische Wohnung entlassen worden.
In der SP-Zentrale hörte man von noch flauer Wahlbeteiligung in Wien, von ganz knappen Ergebnissen in roten Hochburgen Kärntens und war zu diesem Zeitpunkt alarmiert. Die Entwarnung kam erst gegen 13 Uhr vom SP-Abgeordneten Rudolf Parnigoni: Ganz Gmünd ist rot! Ein total schwarzer Bezirk Niederösterreichs war umgefärbt.
Als Fischer kurz vor 17 Uhr in den oberen Stock der SP-Wahlzentrale entschwand, stand unten vor der Tür ein hektisch telefonierender Michael Häupl. Anspannung im Gesicht. Die sollte sich gegen 17.30 Uhr aufhellen wie ein Fußballer beim Torjubel nahm Häupl die Wiener Ergebnisse zur Kenntnis: Fast eine Zweidrittelmehrheit. Sollt ich jetzt den Erwin (Anm.: Pröll) anrufen und fragen, wie es in Niederösterreich läuft? Da liegen auch wir vorne.
Doch dann kommen schon die ersten großen Auftritte Heinz Fischers: zuerst im randvollen Zelt, dann im Innenministerium, bei einer hastig improvisierten Demo mit fast 3.000 Fans vor der SP-Zentrale in der Löwelstraße und noch einmal fast so viele, die im Festzelt in der Zelinkagasse, in den umliegenden Straßenzügen und in den wenigen offenen Beisln bis weit nach Mitternacht mit Hei-Fi-Chören den ersten Sieg eines SP-Kandidaten im direkten Duell mit einem VP-Kandidaten seit Rudolf Kirchschläger 1974, also seit 30 Jahren, so SP-Präside Christoph Matznetter, enthusiastisch, feierten. Während Fischer nach einem letzten Auftritt im Zelt kurz vor Mitternacht wenigstens für ein paar Stunden schlafen ging, feierte SP-Chef Alfred Gusenbauer den erfolgreich beendeten Wahlkampf im Spatzennest nahe der Burggasse.
Zwei Speerspitzen. Aber ist der erbittert geführte Wahlkampf wirklich vorbei? Etwa zur gleichen Zeit, als Darabos aufschreckte, warf am anderen Ende der Wiener Innenstadt schon Presse-Chefredakteur Andreas Unterberger (er teilt mit Fischer nur die Wohnadresse Josefstädter Straße) den Computer an, um weit weniger gut gelaunt das zu formulieren, was spätestens seit dem Auftritt von Elisabeth Gehrer Sonntagnacht im ORF als VP-Linie gegen den neuen Bundespräsidenten gilt. Fischer wird die Speerspitze der Opposition. Selbst harmlos klingende Besuche bei Caritas und Co werden als gezielte Attacken gegen den Innenminister dargestellt, formuliert jener Chefredakteur, der des Öfteren als journalistische Speerspitze des Kanzleramts gehandelt wird, über den angeblichen ständigen Mahner der Innenpolitik und die neue Sorge für die ÖVP.
Alle Berichte finden Sie im neuen NEWS
PLUS: Warum die ÖVP den neuen Bundespräsidenten vom Start weg attackiert.
PLUS: Fischer im großen NEWS-Interview: Soziale Gerechtigkeit wird mir besonders wichtig sein
PLUS: Die rechte und die linke Hand des Präsidenten
PLUS: VP: Benitas bittere Verlierer-Bilanz
PLUS: Ferrero-Waldner im NEWS-Interview: "Habe gegeben, was ich konnte"
PLUS: Abrechnung mit dem kalten Kanzler
PLUS: Gusis letzte Chance
PLUS: Klestil: "Gratulation Dir, lieber Heinz"
Wetter in Österreich08:07
Es trübt sich einWoche nach Pfingsten unbeständig. Sonne, Regen und Gewitter - alles ist möglich.
Grand Prix von Monaco08:07
Pool-Party bei Red BullWebber feiert seinen ersten Saison-Sieg. Vettel dementiert Vorvertrag mit Ferrari.
Haustiere der Promis08:11
Stars und ihre HundeGeorge Clooney, Reese Witherspoon und Co. zeigen sich mit den süßen Vierbeinern

