Montag, 26. April 2004

Südafrika bleibt "Mandela-Nation": Freiheitskämpfer ist Synonym für sein Land

  • Befreier und Präsident nach 27 Jahren Apartheid-Haft
  • Name Mandela Symbol für Rassen-Aussöhnung

Nelson Mandela, der Südafrika in den ersten fünf Jahren nach dem Ende der Apartheid geführt hatte, wird in aller Welt für seine Bescheidenheit, sein Charisma und seinen direkten Zugang zu den Menschen und ihren Problemen bewundert. Aber auch für seine Fähigkeit, in historischen Augenblicken entschieden zu reagieren. Und über eines herrscht Einigkeit: "Ohne Mandela würde Südafrika jetzt nicht zehn Jahre Demokratie feiern."

Mandelas Name ist weltweit zum Symbol geworden für den Kampf gegen die Apartheid und die Aussöhnung zwischen den Rassen. Auch zehn Jahre nach dem Ende der Rassentrennung und fünf Jahre nach seinem Abschied vom Präsidentenamt gilt sein Name international als Synonym für Südafrika.

Daheim, wo der heute 85-Jährige liebvoll "Madiba" - Vater - genannt wird, ist er zu einer Art Übervater der Nation geworden. Sein Widerstand gegen die Apartheid machte ihn für die damals herrschenden Weißen zum Staatsfeind Nummer Eins. 1962 wurde er verhaftet und wegen Sabotage zu lebenslanger Haft verurteilt.

Nach seiner Freilassung 1990 nach 27 Jahren im Gefängnis wurde Mandela als erster Bürger schwarzer Hautfarbe Präsident des Landes. Als moralische Autorität mit internationalem Profil hat er sein Land in die Weltgemeinschaft zurückgeführt.

Häuptlingssohn der Tembu
Geboren wurde Mandela am 18. Juli 1918 als Sohn eines Häuptlings des zur Xhosa-Sprachgruppe gehörenden Tembu-Stammes nahe der Ortschaft Umtata in der Transkei. Erste Erfahrungen mit dem Rassismus machte er in der Missionsschule. Nach der Matura besuchte Nelson Mandela das Fort-Hare-College, wo er sich gemeinsam mit Oliver Tambo, dem späteren Präsidenten des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC), gegen die rassistische Unterdrückung und Bevormundung engagierte und 1940 nach einem Studentenstreik ausgeschlossen wurde. Er setzte sein Jusstudium im Fernstudium fort und konnte es 1942 abschließen.

Zusammen mit Tambo und mit Walter und Albertina Sisulu gründete Mandela 1944 die Jugendliga des ANC, aus der später die Führung dieser (1912 gegründeten) ältesten Menschenrechts- und Befreiungsorganisation des Kontinents hervorging. Er setzte sich für das 1949 angenommene Aktionsprogramm des ANC ein, in dem der uneingeschränkte Kampf um nationale Befreiung als Hauptziel der Organisation proklamiert wurde, nachdem der jahrzehntelange gewaltlose Kampf kein einziges greifbares Ergebnis hervorgebracht hatte. 1950 wurde Mandela in das Nationale Exekutivkomitee des ANC berufen. 1952 wurde der spätere Friedensnobelpreisträger Albert Luthuli zum Präsidenten gewählt, während Mandela als Vizepräsident und ANC-Leiter in der Provinz Transvaal mit der Führung der landesweiten ANC-Kampagne zur bewußten Übertretung von Apartheidgesetze beauftragt wurde. 1952 eröffnete er zusammen mit Oliver Tambo in Johannesburg das erste schwarze Anwaltsbüro.

Von nun an ließ die Polizei nichts unversucht, um den beliebten ANC-Funktionär mundtot zu machen. Wiederholte Verhaftungen, Prozesse, Gefängnisstrafen und die Belegung mit dem Bann konnten Mandela nicht daran hindern, den Kampf gegen Apartheid fortzusetzen. Wesentlichen Anteil hatte er an der Erarbeitung der 1955 angenommenen Freiheits-Charta, Grundlage des Befreiungskampfes. Mehrere Hochverratsanklagen gegen ihn und weitere ANC-Führer mussten fallengelassen werden.

Als das Regime unter dem erklärten Rassisten Hendrik Verwoerd 1960 die Repressalien gegen die Antiapartheidbewegung verschärfte und den ANC verbot, ging Mandela in die Illegalität, wo er als Oberkommandierender die 1961 geschaffene militärische Organisation des ANC, "Unkhonto we Sizwe" (Speerspitze der Nation), führte, deren Ziel gewaltlose Sabotage ohne Gefährdung von Menschenleben war. Am 5. August 1962, als er als Chauffeur verkleidet, den Wagen eines weißen Freundes steuerte und in eine Straßensperre geriet, wurde er erkannt und verhaftet. Am 12. Juni 1964 wurde er zu einer lebenslangen Kerkerstrafe verurteilt. Bis 1990 war er eingekerkert. Mehrere Universitäten wie Oxford und Bologna haben dem inhaftierten Mandela die Ehrendoktorwürde verliehen.
(apa, red)

26.4.2004 12:04